Niqāb

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Term Definition
Niqāb

Niqāb” ist ein Sammelbegriff für einige einander sehr ähnliche Gesichtsschleier (die im Deutschen oft fälschlich als „Burka” oder „Vollverschleierung” bezeichnet werden).

Der arabische Begriff نقاب bedeutet einfach nur „(Gesichts-) Schleier”, kann aber auch mit „(Gesichts-) Maske” übersetzt werden.

Im Arabischen würde beispielsweise auch der europäische Brautschleier „Niqāb” genannt werden. Der Begriff findet sich in arabischen Bibeln auch da, wo im Text vom Schleier die Rede ist (denn auch die jüdisch-christliche Bibel kennt den Schleier).

Im Deutschen kann man entweder nach den DMG-Regeln „Niqāb” schreiben oder vereinfacht „Nikab” - oder man übersetzt den Begriff ins Deutsche: „Gesichtschleier”. Falsch ist die Schreibweise „Niquab” (sie müsste im Deutschen auch „Nikvab“ gesprochen werden statt korrekt „Nikab“), und auch die verbreitete Schreibweise „Niqab” ist nicht ideal, wenn auch im Deutschen möglich (Eigennamen aus dem Arabischen oder Albanischen dürfen mit einem /q/ ohne ein folgendes /u/ übernommen werden, und das /q/ wird dann als „k“ ausgesprochen).

Im Grunde ist mit Niqāb jeder Bestandteil eines Frauengewands gemeint, der das Gesicht ganz oder teilweise bedeckt. Dabei kann es sich um eine Ecke eines Kopftuches handeln, die vor dem Gesicht drapiert wird, um ein eigenständiges Tuch, das vor dem Gesicht befestigt wird, oder um einen in einen Überwurf integrierten Gesichtsschleier. Der Gesichtsschleier der Burqa ist also ein Niqāb. Der Çarşaf kann so am Kopf befestigt werden, dass ein Niqāb entsteht.

Von einem „Hidschāb” spricht man, wenn das Kopfhaar vollständig bedeckt ist und meistens auch die Stirn, die Wangen und das Kinn. Beim Niqāb sind darüber hinaus zumindest der Mund und die Nase bedeckt (für manche Frauen gehören auch noch Handschuhe und Socken dazu).

NiqabÜblicherweise - und vor allem im Handel - ist ein ein- oder mehrlagiges Stück Stoff gemeint, das mit einem elastischen Band, einem Stoffband zum Binden, einem Klettverschluss oder Druckknöpfen so am Kopf befestigt wird, dass das Gesicht bedeckt wird.

Die unterste (und manchmal einzige) Lage ist ein blickdichter Stoff mit einem Schlitz für die Augen.

Weitere Stofflagen können den Schleier ergänzen und dienen meist dazu, die Augenpartie zu verdecken. Die weiteren Lagen sind meist etwas größer als die unterste Lage. Meist werden diese Oberlagen einfach über den Kopf nach hinten geworfen. Besonders große Oberlagen können als Kopftuch verwendet werden.

Werden die Augen verdeckt, so dass sie von außen kaum oder gar nicht mehr zu seheSitarn sind, spricht man auch von einem Sitar (siehe Bild rechts).

Nikab mit feinem Netz vor den AugenManche Frauen bedecken ihre Augen hingegen nur mit einem feinen Netzstoff, durch den sie meist noch zu erkennen sind (siehe Bild links).

Ein Nikab mit bedeckten Augen, bei dem aber das Gesicht durchscheint, wird Boushiya genannt.

Besitzt der Niqāb nur eine Lage mit einem Sehschlitz, spricht man auch von einem Ninja-Niqāb.

Handelt es sich nur um ein eher kleines Stück Stoff, das mit einem elastischen Band oberhalb der Nase am Kopf befestigt wird, spricht man von einem Halb-Niqāb (auch Shayla genannt). Der Halb-Niqāb kann recht einfach nach unten gezogen werden, so dass Nase oder auch Mund sichtbar werden und der Niqāb nur noch das Kinn bedeckt. Manche Frauen lassen beim Halb-Niqāb die Stirn ganz oder teilweise unbedeckt.

Manchmal wird als Niqāb ein kleines dreieckiges bzw. dreieckig gefaltetes Tuch vor Kinn, Mund und Nase gebunden, dies wird dann (vor allem in Nordafrika) auch Haïk genannt. Der Haïk ist manchmal durchscheinend, manchmal blickdicht.

Der Niqāb ist häufig schwarz, aber er kommt grundsätzlich in allen Farben vor, wobei neben schwarz gedeckte Farben vorherrschen. Es gibt jedoch auch Niqāb in royalblau, rot, magenta usw., auch in durchaus knalligen Farben. Beliebt ist grün, da dies die Lieblingsfarbe Muhammads gewesen sein soll. Auch weiß kommt vor, gilt aber vielen Muslimen eher als Farbe der Männer.

Die Vorliebe für schwarz hat damit zu tun, dass die Frauen der ersten Muslime für ihre Schleier schwarze Stoffe verwendeten - was wiederum daran lag, dass nicht eingefärbte Stoffe nicht so teuer waren.

Eine Frau, die Niqāb trägt, wird auch als Niqābi (bzw. Niqaabi) oder Munaqāba bezeichnet.

In den meisten islamischen Rechtsschulen wird der Niqāb als „Sunna” bzw. als empfehlenswert oder verdienstvoll betrachtet. Unter besonderen Umständen (die im islamischen Recht mit dem Stichwort „Fitnah” bezeichnet werden) kann die Verhüllung des Gesichts, der Hände bzw. der Füße zur Pflicht werden.

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