„Wir müssen etwas Wichtiges miteinander bereden. Ich rufe Dich an, dann reden wir miteinander.” Eine typische Szene nach dem sonntäglichen Gottesdienst in einer freikirchlichen Gemeinde, deren Mitglieder nicht alle am Ort wohnen und die nach 90 Minuten Gottesdienst schnell nach Hause wollen. Wichtige Dinge werden dann oft am Telefon beredet.

Man kann also offenbar auch wichtige Dinge miteinander berede, ohne dass man sich „von Angesicht zu Angesicht” begegnet.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wer den Begriff „Vollverschleierung” wann und vor allem warum in die „Burkadebatte” eingeführt hat. Bis Ende des 20. Jahrhunderts sprach man, auch wenn es um die Verschleierung muslimischer Frauen ging, einfach vom „Schleier”. Es folgte der Begriff „Burka” und die Kombination „Burka und Nikab” und schließlich der Begriff „Vollverschleierung”.

Schon vor längerer Zeit (2011) habe ich durch einen schwarzen Niqāb mit Nasensteg und einen roten Chadri („Burka”) einige Fotos aufgenommen.

Dabei habe ich Brennweite und Blende so gewählt, dass sie dem menschlichen Auge möglichst entsprechen.

Der Schleier befand sich jeweils direkt auf dem Objektiv.

Wer in Lexika nach der „Burka” sucht, wird fündig, auch wenn es nicht ganz so eindeutig ist - die Suche nach dem „Burkaverbot” ist schwerer. Der Duden kennt es nicht, und die Wikipedia leitet auf eine Seite zu einem „Verschleierungsverbot” um.

Da heißt es dann, das Verschleierungsverbot werde „in der Presse und umgangssprachlich fälschlich Burkaverbot genannt”. Es verbiete „an bestimmten Orten des öffentlichen Raums das Tragen von Ganzkörper- beziehungsweise Gesichtsschleiern wie des Niqab oder der Burka”.

Warum sollte man die „Burka” erlauben, wenn man doch auch beispielsweise nicht mit einem Motorradhelm oder einer Skimaske in eine Bank gehen darf?

Natürlich ist es nicht höflich, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten, aber hier tut es Not - warum sollte man eine Bank, ein Amt, einen Gerichtssaal oder was sonst mit einem Motorradhelm oder einer Skimaske oder einer Sturmhaube oder was sonst betreten wollen?

Wer sich eingehend mit dem Thema „Burka” und „Burkaverbot” befasst, stellt schnell fest, dass es allein im Deutschen eine verwirrende Begriffsvielfalt gibt: Kopftuch, (Gesichts-) Schleier, Burka, Nikab, Hidschab, Tschador, Tscharschaf, Tschaderi, Burkini...

Keiner dieser Begriffe ist im Deutschen so eindeutig definiert, wie man sich das wünschen würde - und noch viel weniger stimmen im Deutschen verbreitete Definitionen mit denen in den Ländern der islamischen Welten überein.

Weil immer wieder gefragt wird, wie Niqāb oder Burqa' denn aussehen, habe ich einige Bilder gesucht, um diese Schleier zu zeigen.

Burka” - das ist nicht nur ein Kleidungsstück muslimischer Frauen, sondern hat auf einer ganz anderen Ebene, in einem ganz anderen Umfeld auch viel mit Erotik, Sexualität, Fetischismus, Sadomasochismus, Dominanz, Submission zu tun.

Sobald ich Fotos verschleierter Frauen irgendwo veröffentliche, kann ich mir sicher sein, dass binnen Stunden unzählige Fetischisten die Bilder favorisieren, ihren Galerien hinzufügen, herunterladen (weswegen ich keine Fotos mehr veröffentliche).

Folgt man diesen Leuten im Internet, findet man in ihren Alben häufig neben verschleierten Fotos auch solche, die gefesselte, geknebelte Frauen zeigen. Manche haben sich auf den „Burka” als Fetisch spezialisiert, geben sich im Internet als muslimische Frauen aus und versuchen mit Muslimen in Kontakt zu kommen.

Interessant ist dabei, dass viele dieser Personen Phasen haben, in denen sie ihrem Fetisch nachgehen - und dann Phasen, in denen sie sich zurückziehen, teilweise alle ihre Fotos löschen, sämtliche Spuren ihrer Neigung verschwinden lassen. Es scheint so, als seien sie immer wieder im Kampf mit ihrem Fetisch. Und interessant ist auch: Keiner der mir bekannten „Burka”-Fetischisten setzt sich, soweit ich das erkennen kann, ernsthaft gegen ein „Burkaverbot” ein.

Forderungen nach einem Verbot von Niqāb und Burqa werden immer wieder mit dem Schlagwort „Gesicht zeigen!” begründet: In einer „offenen Gesellschaft” zeige man (einander) sein Gesicht. 

Mit dieser Forderung wird eine bedeutungsvolle Formel auf ein bloßes „Burka weg” reduziert.