„Frauen mit Niqāb unterstellen Männern, dass sie über sie herfallen würden, wenn sie mehr als ihre Augen herzeigen würden!”

Ich kenne keine Frau mit Niqāb, die einem Mann so etwas unterstellt.

Die Niqābi, die ich kenne - und vermutlich die große Mehrheit der Niqābi -, trauen einem Mann durchaus zu (ja, auch einem nichtmuslimischen Mann!), dass er sich für gewöhnlich beherrschen kann, dass er sich im Griff hat.

Aber sie sind auch realistisch und rechnen mit der durchaus vorhandenen Möglichkeit, dass es manchen Männern dann doch nur mit ein wenig Hilfe gelingt, sich nicht in eine Frau zu „vergucken” (um ein Über-die-Frauen-herfallen geht es gar nicht), indem sich nämlich die Frau mit Hidschāb oder auch Niqāb verhüllt.  

Aus Sicht einer gläubigen muslimischen Frau ist es nicht erstrebenswert, dass Männer sich einfach so in sie „vergucken”. Es wäre nicht unbedingt etwas Schlimmes, und sie nehmen es ihnen auch nicht übel, aber es ist eben auch nicht das, was sie sich wünschen. Sie gehen die Partnersuche nun einmal anders an. Und sie wollen auch den Männern damit etwas Gutes tun, weil sie glauben, dass es für Männer auch besser ist, die Partnerwahl anders anzugehen. Partner sollten sich über innere Werte suchen und finden, nicht über das Aussehen.

Und ja, manche Frauen fürchten darüber hinaus auch die aus ihrer Sicht freilich recht unwahrscheinliche Gefahr, dass ein Mann über sie herfällt, sie in ein Gebüsch zerrt und sie vergewaltigt. Mit ihrem Hidschāb und Niqāb hoffen sie, auch vor dieser unwahrscheinlichen Gefahr geschützt zu sein, ohne dass sie deswegen allen Männern unterstellen, sie seien Vergewaltiger.