„Im persönlichen Kontakt mit Frauen, deren Gesicht verschleiert ist, entsteht ein Ungleichgewicht. Die verschleierte Frau kann das Gesicht ihrer unverschleierten Gesprächspartnerin sehen, diese kann das andersherum jedoch nicht. Ich finde dieses Machtgefälle nicht in Ordnung.”

Diese Unterstellung habe ich einem Kommentar zu einer Petition für ein „Burkaverbot” entnommen.

Interessant ist hier, dass eine Frau diese Unterstellung tätigt; selbstverständlich ist es in der Regel so, dass muslimische Frauen ihren Niqāb abnehmen, wenn Frauen unter sich sind - egal, ob es sich dabei nun um muslimische Frauen handelt oder nicht. Eine Ausnahme ist denkbar, wenn eine Frau fürchtet, dass eine andere Frau einem fremden Mann verrät, wie die Frau unter ihrem Niqāb aussieht. 

So können die Frauen für gewöhnlich einander ins Gesicht sehen, es entsteht also weder ein Ungleichgewicht noch ein „Machtgefälle”.

Darüber hinaus ist es selbstverständlich so, dass Frauen ihren Niqāb auch voreinander nicht abnehmen, wenn sie nicht unter sich sind, sondern fremde Männer anwesend sind. In diesem Fall begegnen die Frauen einander mit Niqāb, und keine der Frauen kann in das Gesicht einer der anderen Frauen sehen.

Auch so entsteht weder ein Ungleichgewicht noch ein „Machtgefälle”.

Es ist ja ohnehin so, dass die Niqābi anderen Frauen nicht verbieten, ebenfalls einen Gesichtsschleier zu tragen. Ein Ungleichgewicht oder ein „Machtgefälle” würde nur da entstehen, wo es Frauen verboten würde, einen Gesichtsschleier zu tragen. Nur dann läge eine ungleiche Behandlung oder eine ungleiche Machtverteilung vor. Wer freiwillig auf einen Schleier verzichtet, kann dafür nicht jene verantwortlich machen, die einen Niqāb tragen. Es liegt keine Diskriminierung vor.