„Die Vollverschleierung ist Ausdruck einer Geschlechtertrennung, die nicht zu unserem Land, nicht zu unserer Verfassung passt” erklärte Julia Klöckner (CDU) laut einem iQ-Beitrag (externer Link); darum wolle sie das Thema zum Wahlkampfthema für 2017 machen.

Das beliebte Gegenargument, es gäbe ja nur wenige Frauen, die eine Klöcknersche „Vollverschleierung” - gemeint ist der Halbschleier Niqāb - trügen, führt nicht wirklich weiter. Wenn etwas gegen die Grundrechte Dritter und gegen die Grundwerte des Grundgesetzes verstößt, dann ist es egal, wie wenige Personen involviert sind. Wenn es aber nicht gegen diese Rechte und Werte verstößt, dann kann die Religionsfreiheit auch nicht eingeschränkt werden, wenn es nicht nur 4-6.500 Frauen, sondern womöglich 50.000 oder 500.000 Personen involviert sind.

Eigentlich gibt es drei Gegenargumente, die man gegen Klöckner ins Feld führen kann.

Julia Klöckner (CDU) auf die Frage, ob das von ihrer Partei geforderte „Verbot der Vollverschleierung in Behörden und vor Gericht” ausreiche: „Das ist ein richtiger Schritt. Ich halte es aber für noch zu unklar. Bei der Vollverschleierung geht es um drei Punkte: Die Rechte der Frau, das Thema Integration und um die Interaktion im Umfeld. Die Rechte der Frau können nicht nur auf dem Amt gelten. Sie muss ihre Identität überall frei zeigen können. Wenn ein Mann den Anblick einer Frau nicht ertragen kann, soll er sich eine Augenbinde nehmen und nicht sie zur Vollverschleierung zwingen.” (externer Link)

„Die Vollverschleierung in Deutschland ist eine Projektionsfläche des fundamentalen Islams und eine Erklärung, sich nicht partizipativ an der Gesellschaft beteiligen zu wollen. Sie widerspricht damit dem Willen zu einer integrativen Gesellschaft und einem Miteinander der Religionen.”

Unter der Überschrift „Der Wahrheit ins Gesicht schauen” möchte Kommentatorin Anna Reimann Frauen, die selbstbestimmt Niqāb tragen, durch ein „Burkaverbot” signalisieren: „Deutschland ist dann vielleicht nicht das Land, in dem ihr leben solltet. Auch dann nicht, wenn ihr Deutsche seid.”

Sie bringt für Ihre, wie ich das verstanden habe, versteckte Aufforderung, sie möchten Deutschland doch bitte verlassen, drei Argumente vor.

„Im persönlichen Kontakt mit Frauen, deren Gesicht verschleiert ist, entsteht ein Ungleichgewicht. Die verschleierte Frau kann das Gesicht ihrer unverschleierten Gesprächspartnerin sehen, diese kann das andersherum jedoch nicht. Ich finde dieses Machtgefälle nicht in Ordnung.”