„In Sarajevo oder Pristina Frauen werden dafür bezahlt, vollverschleiert auf die Straße zu gehen, um das Straßenbild zu ändern.“

So sinngemäß zuletzt der österreichische Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtet (Quelle).

Die FR weist zurecht darauf hin, dass es sich hierbei lediglich um ein Gerücht handelt, das zwar seit mindestens 20 Jahren im Umlauf ist, bisher aber nie bestätigt werden konnte. Das Gerücht basiere auf Legenden, nicht auf Belegen.

Die verschleierten Frauen in Bosnien-Herzegowina seien häufig Touristinnen aus den Golf-Staaten, oder es handele sich um Frauen aus einer der meist in den 1990er Jahren entstandenen salafitischen Gemeinschaften im Land, die aber auch nicht dafür bezahlt würden, sich zu verschleiern. Diese Frauen tun dies aus religiöser Überzeugung.

Die seit vielen Jahren immer wieder aufgestellte Behauptung, muslimische Frauen - egal ob auf dem Balkan oder wo sonst - würden bezahlt, Nikab zu tragen, konnte bisher noch nie bestätigt werden; es ist ein Mythos, der vor allem unter Rechtspopulisten blüht und gedeiht.

Wer dies behauptet, muss aber auch Belege anführen - erst recht, wenn es sich um einen Politiker mit Regierungsverantwortung wie Sebastian Kurz handelt. Ohne Belege ist dies nichts weiter als postfaktische Politik - vor allem, wenn dann noch gefordert wird, „da dürfe man nicht tatenlos zusehen“, wenn auf Grundlage dieses Mythos' ein Burkaverbot gefordert wird, das Frauen (zumal in einem ganz anderen Land) in ihrer Religionsfreiheit und ihrem Selbstbestimmungsrecht einschränkt.