„In Russland gab es Selbstmordanschläge in Bussen von Frauen, die Niqāb tragen.”

Diesen Mythos hört man häufiger, wenn es um die Beförderung von Niqāb tragenden Frauen in Bussen und Bahnen geht bzw. um die Begründung eines Beförderungsverbotes (das in Deutschland ohnehin der Beförderungspflicht widerspricht). 

Tatsächlich ist mir kein Fall bekannt, dass eine Frau, die Niqāb trägt, in Russland einen Selbstmordanschlag in einem Bus oder einer Bahn verübt hätte. In einem Fall in Wolgograd 2013 trug die Attentäterin ein weites Gewand und ein Kopftuch, in einem früheren Fall in Moskau trugen die Attentäterinnen gewöhnliche Kleidung. Auch in weiteren Fällen ist mir nichts von Selbstmordattentätern bekannt, die Niqāb getragen hätten. 

Freilich würde ein Burkaverbot keinen Anschlag verhindern. Wäre der Niqāb verboten, verwendet man nötigenfalls eine andere Maskierung (Perücke, falscher Bart, Sonnenbrille usw.). Und Bomben usw. lassen sich unter allen Arten weiter Kleidung verbergen, ebenso in Rucksäcken, Kinderwägen, Geigenkästen, Satteltaschen usw. Ein Burkaverbot schafft nur eine Scheinsicherheit, keine echte Sicherheit. Wer sich in einem Bus in die Luft sprengen will, der wird das auch dann tun, wenn Frauen mit Niqāb die Beförderung in Bussen und Bahnen (oder überhaupt der Aufenthalt in der Öffentlichkeit) verweigert werden würde. 

Nicht umsonst hat sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, der 2014 ein Burkaverbot für rechtens erklärt hat, das Argument „Sicherheit” ausdrücklich verworfen.