„Der ‚Islamische Staat’ hat im irakischen Mossul aus Sicherheitsgründen ein Burkaverbot beschlossen.”

Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Meldung, die seit dem 5. September 2016 verbreitet wird, um eine journalistische Ente.

Marc Röhlig hat in „Bento” zu dieser Meldung recherchiert und herausgefunden, dass:

  • deutsche Medien die Nachrichten von britischen Boulevard-Medien übernommen haben,
  • diese britischen Medien die Nachricht von „Iran Front Page” übernommen haben,
  • „Iran Front Page” sich auf „Al-Alam News” bezieht,
  • „Al-Alam News” sich angeblich auf einen „Informanten aus Ninawa” bezieht und
  • sich bei „Al-Alam News” kein Artikel zu diesem Sachverhalt finden lässt.

Quelle: http://www.bento.de/politik/burkaverbot-beim-islamischen-staat-die-meldung-ist-ein-fake-841261/

Zu den genannten britischen Medien zählen nach meinen Recherchen die „Daily Mail” und der „Express”.

Auffällig ist, dass in den Berichten von engl. „Burqa” bzw. deutsch „Burqa” gesprochen wird - Kleidungsstücke, die im Irak nicht verbreitet sind. Zu erwarten wäre ein Verbot des Niqāb. Zugleich ist ein solches Verbot fragwürdig - Waffen werden schließlich nicht unter einem Niqāb versteckt, sondern eher unter einem weiten Mantel. Ein solcher Mantel allerdings könnte in englischsprachigen Medien aus dem Iran durchaus als „Burqa”, zu deutsch einfach „Schleier”, bezeichnet werden.

Update: Mittlerweile habe ich bei „Al-Alam News” doch eine Meldung gefunden (vom 6. September).

Es ist jedoch zu bedenken, dass iranische Agenturen (wie „Iran Front Page” und „Al-Alam News”) meist nicht neutral berichten und durchaus auch Propaganda verbreiten - und der sunnitische „Islamische Staat” gilt als Erzfeind der schiitischen „Islamischen Republik Iran”. Für das Regime in Teheran ist eine solche Meldung Gold wert - verschleierte Frauen ermorden zwei hochrangige Mitglieder des „Islamischen Staates”, der daraufhin ein Burkaverbot erlässt. Eigentlich für Teheran viel zu schön und zugleich im Hinblick auf den „Islamischen Staat” zu bizarr, um wahr sein zu können. Somit ist diese Meldung durchaus mit Vorsicht zu betrachten, ehe nicht unabhängige Bestätigungen vorliegen.

Update 2: Mittlerweile schießen die Gerüchte ins Kraut, was zur Einführung des angeblichen Burkaverbotes in Mossul geführt habe. Mal war es eine Frau, die verschleiert in eine Kommandozentrale des IS eingedrungen ist, dann waren es eine oder zwei verschleierte Frauen, die IS-Kämpfer an einer Straßensperre erschossen haben, dann haben sich Angehörige von englischen und amerikanischen Spezialeinheiten verschleiert in Kommandozentren des IS eingeschlichen, dann haben verschleierte mehrfach Anschläge verübt.

Unklar ist auch, was genau nun verboten worden ist: Müssen die Frauen ihre Kleidung ablegen, ehe sie die betreffenden Bereiche betreten - oder dürfen sie diese Bereiche gar nicht mehr betreten?