„Die Burka steht für...”

Wirklich erstaunlich, wie viele Menschen, die noch nie mit einer verschleierten Frau gesprochen haben, vorgeblich ganz genau wissen, wofür „die Burka”, also der Niqāb (und der Hidschāb, und der Chadri, und...), steht.

Aus der Ferne stellen sie eine pluralisierende, verallgemeinernde Diagnose, äußern einen Generalverdacht, wagen ein Massenurteil - meist vernichtend.

Ginge es um eine Frau, die Alkohol trinkt, einen Minirock trägt, abends allein unterwegs ist, mit einem Mann flirtet - wir würden (hoffentlich) jede Ferndiagnose entschieden verurteilen. Wir lehnen die Ferndiagnose ab, eine Frau, die „Nein!” sagt, meine in Wirklichkeit „Vielleicht...”. Geht es um Frauen mit roten Haaren, wird niemand mehr die Ferndiagnose „Hexe” stellen (und womöglich ein Besenverbot fordern).

Per Ferndiagnose getroffene Verurteilungen von verschleierten Frauen sind Mythen - oft genug mit sexistischem oder rassistischem Unterton. Es sind untragbare Unterstellungen, die meist mehr über den Verkünder dieser angeblichen „Wahrheiten” aussagen als über die Frauen, um die es dabei geht.

Persönlich wage ich auch eine Ferndiagnose: Eine Frau, die Gott durch ihr Verhalten ehren will. Ich weiß nicht, ob ich damit immer richtig liege, aber ich weiß auch, dass viele religiöse Menschen genau das tun wollen. Außerdem glaube ich, dass solche positiven Unterstellungen eine Wirkung auf die betreffende Person haben (wie es ja auch für negative Unterstellungen gilt).