„Wenn Frauen im Niqāb einen Zeigefinger heben, bekunden sie damit ihre Sympathie für den „Islamischen Staat”...”

Der erhobene oder ausgestreckte, leicht angehobene rechte Zeigefinger ist eine recht alte und weit verbreitete muslimische Geste, die den Traditionen zufolge auf Bilāl ibn Rabāh zurückgeht, der zur Zeit Muhammads lebte und einer der ersten Männer war, die Muslim wurden. Bilal war Sklave und wurde von Polytheisten gefoltert, um dem Islam abzuschwören. Als er aufgrund der Folter das islamische Glaubensbekenntnis nicht mehr sprechen konnte, hob er nur noch den Zeigefinger, um zu zeigen, dass er immer noch der Überzeugung war, es gäbe keinen Gott außer Gott.

Die Geste ist Symbol für den ersten Teil des islamischen Glaubensbekenntnisses (aš-šahāda), das da lautet Lā ilāha illā ʾllāhu („Es gibt keinen Gott außer Gott"), und Hinweis auf die Einheit und Einzigkeit Gottes (Tauḥīd).

In diesem Zusammenhang wird der rechte Zeigefinger von den Muslimen während des Gebets leicht angehoben. Im Prinzip hebt also jeder Muslim (zumindest jeder sunnitische Muslim) mehrmals täglich seinen rechten Zeigefinger leicht an. 

In der Öffentlichkeit, etwa bei Versammlungen, gilt der erhobene rechte Zeigefinger als zeichenhaftes Bekenntnis des Glaubens an die Einheit Gottes. So wird er vor allem von Muslimen verwendet, die sich am Beispiel „ehrwürdigen rechtschaffenen Vorfahren” (as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ), der ersten drei Generationen der Muslime, orientieren. Sie glauben, dass schon diese frühen Muslime so gehandelt haben.

Im Grunde ist das Heben des rechten Zeigefingers nicht viel anderes, als wenn ein Katholik sich bekreuzigen würde.

Darum heben manchmal auch Frauen im Niqāb den rechten Zeigefinger.

Der erhobene rechte Zeigefinger wird auch vom IS benutzt, ist aber weder IS-spezifisch noch ein Erkennungszeichen für Mitglieder, Anhänger oder Sympathisanten des IS. Er wird von ihnen im Grunde genommen so verwendet, wie ein katholischer Terrorist sich auch bekreuzigen würde.