„Ein Verbot von Niqāb und Burqa bringt mehr Sicherheit...”

Eine falsche Annahme, wie sich immer wieder zeigt - zuletzt bei den schweren Terroranschlägen von Paris.

Wenn manche Politiker mit diesem Argument kommen (so etwa in Frankreich und Belgien bis 2014 - dann allerdings hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) dieses Argument abgewiesen), dann wollen sie damit ein politisches Zeichen setzen: „Der Staat tut etwas für uns - er sorgt für unsere Sicherheit und wird gegen Terror aktiv”. Das ist der Versuch, die Bevölkerung mit billigen Tricks zu beruhigen - oder auch blanker Populismus.

Wer aber einen Terroranschlag begehen will (oder auch nur einen Raub verüben will), der wird durch ein Verbot von Niqāb und Burqa nicht im Mindestens gehindert - zumindest nicht hierzulande, wo Niqāb und Burqa extrem selten sind (höchstens 0,013 % aller Frauen - bis 2050 schätzungsweise 0,125 %) und so gekleidete Personen also eher auffallen als jemand, der sich „normal” maskiert (Perücke, Verkleidung, Brille, Mütze, Schminke usw.), damit auch nicht mehr identifizierbar ist und eine Bombe etwa in einem Rucksack oder einem Kinderwagen verbirgt. Auch der Geigenkasten des jungen Mannes oder der jungen Frau ist unauffällig genug, um darin eine Waffe zu verbergen.

Ein Verbot würde allenfalls da Sinn machen, wo sehr viele Frauen Niqāb oder Burqa tragen - aber gerade dann auch besonders viele Unschuldige treffen. Ein Verbot muss aber immer verhältnismäßig sein.

Ohnehin sind die meisten Frauen, die Niqāb tragen, nicht gewaltbereit. Die wenigen Frauen, die es doch sind, werden im Falle eines Anschlags vermutlich ihren Niqāb ablegen, eine Sprengstoffweste unter relativ normaler Kleidung tragen - oder bis zum letzten Moment in einem Auto sitzen, ehe sie dann los stürmen.

Die Frau mit Niqāb, der wir in der Öffentlichkeit begegnen, ist keine Bedrohung für unsere Sicherheit.

Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir von einem Blitz getroffen werden (1:20.000.000) oder bei einem Terroranschlag durch einen Rechtsextremisten ums Leben zu kommen (1:1.000.000), als dass die betreffende Frau (oder auch der Terrorist, der sich unter einem Niqāb verbirgt) uns bei einem Anschlag tötet (die Wahrscheinlichkeit, bei einem Anschlag angeblich muslimischer Terroristen getötet zu werden, ist ebenso hoch wie die Wahrscheinlichkeit, durch einen Blitzschlag getötet zu werden - dementsprechend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass dabei auch noch ein Niqāb im Spiel ist, vielleicht 1:200.000.000; eher gewinnen sie einen Sechser mit Superzahl im Lotto: 1:139.838.160).

Ein Verbot von Niqāb und Burqa bringt also keine echte Sicherheit, nur eine Scheinsicherheit.

Bei der geringen Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau, die Niqāb oder Burqa trägt, einen Raub oder einen Terroranschlag begeht, wäre ein Verbot auch bei einer relativen geringen Anzahl dieser Frauen unverhältnismäßig. Zudem kann man eine Frau, die Niqāb oder Burqa trägt, nicht für das verantwortlich machen, was andere Personen (Räuber, Terroristen, Entführer...) durch missbräuchliche Nutzung dieser Kleidungsstücke anrichten - sonst müsste auch jede kriminelle Nutzung von Sonnenbrillen, Masken, Perücken, Schminke, künstlichen Brüsten usw. (oder auch eines Autos) zu einem entsprechenden Verbot führen (oder wir nehmen Doppelstandards hin).