In diesem Artikel präsentiere ich kurz & bündig einige wesentliche Informationen über die Frauen, die einen Niqāb oder eine Burqa tragen, und über den Niqāb selbst.

Was ist was... Burka

„Burka” ist ein Lehnwort, das zweimal in die deutsche Sprache aufgenommen wurde.

Bis etwa 2000 kannten vor allem Freunde von Kreuzworträtseln den Begriff „Burka” - als Antwort auf die Frage, was die russische Bezeichnung für einen halbkreisförmigen rauen Fellmantel aus dem Kaukasus sei.

Ab etwa 2000 und vor allem seit dem Krieg gegen die Taliban in Afghanistan wurde „Burka” jedoch als Lehnwort für einen meist blauen Mantel mit integriertem Gesichtsschleier und einem mehr oder wenigen feinmaschigen Stoffgitter im Augenbereich verwendet, der in Afghanistan und Pakistan allerdings als „Chadri” („Zelt”) bezeichnet wird. Vermutlich haben wir Deutschen das Lehnwort von den Franzosen übernommen.

Sehr schnell wurde die Verwendung dieses Begriffs jedoch ausgedehnt und nicht mehr nur für den Chadri verwendet.

„Burka” geht zurück auf den arabischen Begriff برقع‎‎ Burqu' (Schleier, Bedeckung, Verhüllung). Es ist ein Oberbegriff für alle Schleier, mit denen Frauen sich aus welchen Gründen auch immer bedecken oder verhüllen. Im Hinblick auf muslimische Frauen ist er ein Synonym für islamkonforme Kleidung, die auch als حجاب Hidschāb (deutsch Vorhang, Schleier, neuerdings auch Kopftuch) bezeichnet wird.

Neben dem Begriff Burqu' kennt das Arabische auch den Begriff نقاب Niqāb (Schleier oder Maske, besonders zur Bedeckung des Gesichts).

Das Lehnwort „Burka” hat im Deutschen heute folgende Bedeutungen:

  1. Bezeichnung für den aus Afghanistan und Pakistan stammenden Chadri
  2. Synonym für Hidschāb
  3. Synonym für Niqāb
  4. Bezeichnung für Schleier

Die erste Bedeutung wird beispielsweise von der deutschen Wikipedia übernommen, die unter dem Stichwort „Burka” auf den Chadri verweist, allerdings dazu anmerkt, „in westlichen Ländern wird unter ‚Burka’ mitunter fälschlich jede Form des Hidschāb verstanden”. Dies ist eben die zweite Bedeutung.

Nach der dritten Bedeutung wird unter „Burka” fälschlich jede Form des Niqāb verstanden, also jeglicher Gesichtsschleier.

Die zweite und dritte Bedeutung werden meist nur auf die (Gesichts-) Schleier muslimischer Frauen angewandt, obwohl es etwa mit der „Frumka” auch einen ähnlichen Schleier jüdischer Frauen gibt.

Die vierte Bedeutung folgt der wörtlichen Übersetzung von Burqu', so dass „Burka” einfach jeglichen Schleier bezeichnet. Auch diese Bedeutung wird meist nur auf die Schleier muslimischer Frauen angewandt, obwohl Schleier natürlich nicht auf den Islam beschränkt sind. 

Wer „Burka” sagt, muss erläutern, welche Bedeutung er diesem Begriff beimisst - Chadri, Hidschāb, Niqāb oder Schleier.

Wie es auf Neudeutsch so schön heißt: „Words matter”, Wörter haben eine Bedeutung. Gerade bei einem Thema, das so kontrovers diskutiert wird und bei dem Verbote gefordert werden, ist es wichtig, dass Begriffe korrekt verwendet werden.

Dies wird daran deutlich, dass manche zwar sagen, sie hätten nichts gegen Kopftücher, wohl aber gegen den Burka - und meinen mit „Burka” eigentlich den Hidschāb. Mit „Kopftuch” beziehen sie sich nur auf westliche Formen, aber traditionelle muslimische Formen lehnen sie ab.

Der Chadri

Wenn „Burka” gesagt wird, ist ursprünglich meist der Chadri gemeint.

ChadriDer Chadri ist ein afghanischer oder pakistanischer Mantel, weit geschnitten und meist in blau, mit einer eingenähten Kappe, um einen festen Sitz auf dem Kopf zu ermöglichen, und einem integrierten Gesichtsschleier mit einem mehr oder weniger feinmaschigen Stoffgitter vor den Augen.

Dieser Gesichtsschleier kann sehr leicht über den Kopf zurückgeworfen werden, so dass das Gesicht nicht länger bedeckt ist. Dank der eingenähten Kappe verrutscht der Chadri dabei nicht.

Früher aus hochwertigen Stoffen hergestellt, handelt es sich heute meist um billige Massenware aus synthetischen Materialien, genäht nicht selten von ausgebeuteten Frauen in Südostasien. Früher waren Blau die teuerste Farbe, darum war diese Farbe wohlhabenden Frauen vorbehalten. Seit den Taliban ist blau die häufigste Farbe, daneben gibt es auch Modelle in weiß, grün, orange, schwarz, rot und anderen Farben.

Unter dem Chadri, der vorne oft höchstens hüftlang ist und dessen Vorderseite ja über den Kopf zurückgeworfen werden kann, wird für gewöhnlich weit geschnittene, bedeckende Kleidung getragen.

Der Hidschāb

Wenn „Burka” gesagt wird, ist in den meisten Fällen ein Hidschāb gemeint.

Hidschāb bezeichnet im Arabischen Frauenkleidung in eher gedeckten Farben, die blickdicht ist, die Konturen des Körpers verhüllt und den ganzen Körper bedeckt mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen.

Neuerdings bezeichnet er auch speziell das Kopftuch muslimischer Frauen (im Arabischen eigentlich Tarha genannt).

Auch der sogenannte „Burkini” ist ein Hidschāb, der vor allem darauf abzielt, nicht am Körper zu kleben, wenn er nass wird.

Der Niqāb

Wenn „Burka” gesagt wird, ist in vielen Fällen ein Niqāb gemeint.

Der Niqāb wird zusätzlich zu einem Burqu' getragen oder ist, wie im Fall des Chadri, in diesen integriert.

Niqāb bezeichnet im Arabischen jeden Schleier bzw. jede Maske, die das Gesicht ganz oder teilweise bedeckt.

NiqabMittlerweile ist er auch Handelsbezeichnung für einen ein- oder mehrlagigen Schleier, dessen einzige oder unterste Lage einen Sehschlitz aufweist. Weitere Lagen bestehen aus dünneren Stoffen. Die einzelnen Lagen können leicht über den Kopf zurückgeworfen werden. Der Niqāb wird am Hinterkopf mit Bändern, Druckverschlüssen oder Klettverschlüssen befestigt.

Der Niqāb kommt in vielen verschiedenen Farben vor, auch wenn schwarz traditionell bevorzugt wird.

Zum Niqāb werden manchmal auch Handschuhe getragen.

Auch bei afghanischen und pakistanischen Frauen ist der Niqāb beliebt, meist mehr als der Chadri.

Der Schleier im Islam

Vermutlich hat Muhammad den Schleier von den Juden und Christen übernommen. Im Koran finden sich nicht sehr viele Äußerungen dazu. Eine der wichtigsten Erwähnungen ist die des Ǧilbāb in Sure 33,59 (die Begriffe Burqu' und Niqāb kommen im Koran tatsächlich nicht vor). Vermutlich bedeckte der Ǧilbāb auch das Gesicht. Offenbar sollten die Frauen ihren Körper, darüber hinaus unter bestimmten Bedingungen auch ihr Gesicht mit dem Ǧilbāb bedecken.

Nach den vier sunnitischen Rechtsschulen ist das Tragen des Schleiers Pflicht, das Verschleiern des Gesichts empfehlenswert bzw. wünschenswert, unter bestimmten Bedingungen Pflicht.

Aus dem Ǧilbāb haben sich im Verlauf der islamischen Geschichte verschiedene Formen des Schleiers entwickelt, so der Niqāb.

Niqāb in Deutschland

In Deutschland tragen schätzungsweise 4.000 bis 6.500 Frauen einen Niqāb bzw. bedecken aus religiösen Gründen ihr Gesicht - manche tragen ihn nur ab und zu, andere tragen ihn in der Öffentlichkeit ständig.

Schätzungsweise ein Drittel dieser Frauen sind zum Islam konvertierte Deutsche, ein weiteres Drittel sind Frauen, deren weibliche Verwandte keinen Niqāb tragen und die übrigen sind Frauen, deren Mütter ebenfalls Niqāb tragen. Schätzungsweise zwei Drittel dieser Frauen besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft (die meisten aus der ersten und aus der dritten Gruppe). Sie sprechen mehrheitlich gut Deutsch. Viele haben einen Schulabschluss, viele haben ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen, manche haben einen akademischen Grad erlangt.

Im Jahr 2050 wird es schätzungsweise 50.000 Frauen in Deutschland geben, die Niqāb tragen (das werden dann 0,125 % aller Frauen im Land sein).

In den meisten Fällen freiwillig

Die meisten Frauen tragen den Niqāb freiwillig, Gängelei oder Nötigung ist die Ausnahme (und ein Niqāb-Verbot würde diesen Frauen nicht helfen, weil sie dann allenfalls in ihren Wohnungen eingesperrt würden).

Nicht selten müssen sich die Mädchen und Frauen mit ihrem Wunsch, Niqāb zu tragen, erst gegen die Eltern oder den Ehemann durchsetzen (und nicht allen wird es erlaubt).

Meistens entscheiden sich Mädchen oder Frauen ab der Pubertät, mit der Eheschließung oder bei der Geburt des ersten Kindes zum Tragen des Niqāb, manchmal auch nach der Ḥaǧǧ oder einem anderen Erlebnis, das für ihr (Glaubens-) Leben von großer Bedeutung ist.

Mütter, die selbst Niqāb tragen, sehen es häufig gar nicht gern, wenn ihre Töchter zu früh damit beginnen wollen. Oftmals versuchen Eltern, ihre Tochter in diesem Wunsch ein wenig zu bremsen - etwa bis nach der Ausbildung oder bis zur Hochzeit.

Lese-Tipp: Gründe, aus denen Frauen Niqāb tragen

Der Niqāb ist kein Zeichen von Unterdrückung, mangelnder Gleichberechtigung oder fehlender Freiheit

Im postchristlichen Westen übertragen wir unser sehr negatives Verständnis vom Schleier als Zeichen der Unterordnung der Frauen und ihrer mangelnden Freiheit in unzulässiger Weise auf den Hidschāb und mehr noch auf den Niqāb muslimischer Frauen.

Frauen, die den Niqāb freiwillig tragen, verbinden damit aber nicht fehlende Rechte gegenüber dem Mann oder Unfreiheit oder Unterordnung unter den Mann, sondern etwa ihre Befreiung vom Körperkult mit seinen patriarchal geprägten Strukturen. Er ist Zeichen ihrer Freiheit von einer obsessiven Beschäftigung mit dem auf das Dasein einer „lebendigen Puppe” reduzierten weiblichen Körper und dessen möglichst ansprechender Präsentation.

Viele Frauen, die den Niqāb tragen, verstehen sich selbst ausdrücklich als emanzipierte, religiöse Frauen. Einen anti-religiösen Feminismus lehnen sie freilich ab.

Der Niqāb ist kein Zeichen der Abgrenzung gegenüber unserer Gesellschaft

Frauen, die den Niqāb (oder auch nur eine traditionelle Form des Hidschāb) tragen, bejahen das islamische Prinzip der Geschlechtertrennung (das grundsätzlich unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit der jeweiligen Männer und Frauen praktiziert wird). Sie tragen Niqāb in der Öffentlichkeit auch dann, wenn sie anderen Niqābi begegnen. Sie kennen also beide Seiten - auch den Blick auf den Niqāb einer muslimischen Frau. Sie muten anderen also nichts zu, was ihnen nicht auch selbst kennen und praktizieren.

Der Niqāb stellt für sie eine Art „Leitplanke” dar, mit der die Geschlechtertrennung in einem geschützten Bereich überwunden wird. Er ist also nicht Absonderung, sondern ermöglicht erst Integration von Frauen und Männern (mehr).

Der Niqāb macht Kommunikation nicht unmöglich

Auch wenn ein großer Teil der Kommunikation nonverbal erfolgt, so werden doch die meisten Informationen, die im Alltag von Belang sind, auf der verbalen Ebene übermittelt und vom Niqāb nicht behindert.

Damit entspricht die Kommunikation mit einer Frau, die Niqāb trägt (und die häufig auch ihrerseits mit anderen Frauen kommuniziert, die ebenfalls Niqāb tragen), in etwa einem Telefongespräch. Tatsächlich nehmen wir trotz Niqāb darüber hinaus noch einen großen Teil der nonverbalen Kommunikation wahr (die von den Augen ausgedrückte Mimik, die Körperhaltung, die Gestik, olfaktorische Eindrücke). Es fehlen hauptsächlich Eindrücke, die ohnehin missverständlich sind (Mimik der Stirn, der Augenbrauen und des Mundes, Erröten, Schwitzen).

Sich mit einer Frau, die Niqāb trägt, zu unterhalten, ist zu Beginn ungewohnt - aber nicht unmöglich.

Die Feststellung der Identität ist kein Jedermannsrecht

Grundsätzlich hat eine Frau, die Niqāb trägt, kein Problem damit, sich dann, wenn es zulässig ist, identifizieren zu lassen. Dazu hebt sie für gewöhnlich auch ihren Niqāb.

Darüber hinaus nimmt sie aber das für alle Bürger geltende Recht für sich in Anspruch, dass die Feststellung der Identität einer Person, ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Aussehens usw. jeweils kein „Jedermannsrecht” ist. Lediglich die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben das Recht, die Identität einer Person festzustellen. Darüber hinaus kann es im Vertragsrecht geregelt werden.

Gegenüber Frauen hebt die Frau ihren Niqāb

Frauen tragen ihren Niqāb in der Regel nur dann, wenn fremde Männer anwesend sind. In alleiniger Gegenwart anderer Frauen oder von Männern, die für sie Mahram oder die blind sind, heben sie ihren Niqāb oder nehmen ihn ab (es sei denn, sie fürchten, eine der anwesenden Frauen würde einem fremden Mann verraten, wie das Gesicht der Frau aussieht).

(Und ja, die Frauen tragen den Niqāb nicht rund um die Uhr. ER wird nur in der Öffentlichkeit getragen bzw. wenn fremde Männer anwesend sind.)

Nur eine Minderheit ist gewaltbereit oder steht dem Terror nahe

Nur eine Minderheit der Frauen, die Niqāb tragen, befürworten Gewalt zur Ausbreitung des Islam oder unterstützen eine terroristische Organisation wie den IS oder al-Qaida. Der Anteil ist unter den Niqābi vermutlich nicht höher als unter anderen Muslimen.

Zu den fälschlich so genannten Salafisten” (eigentlich Salafiyya) gehört auch längst nicht jede Frau, die einen Niqāb trägt. Und die meisten von ihnen, die zur Salafiyya zu rechnen sind, gehören die meisten zur puritanischen Strömung - und nur die wenigsten zur terroristischen Sekte.

Der Niqāb gehört sehr wohl zum Islam

In den vier traditionellen Rechtsschulen des sunnitischen Islam ist die Bedeckung des Gesichts beispielsweise mit einem Niqāb oder dem Ǧilbāb Sunna (empfehlenswert) bzw. genauer gesagt Mustaḥabb (wünschenswert).

Wenn die Frau Fitna fürchtet (eine Versuchung, eine Prüfung, begehrliche Blicke von Männern), dann ist der Niqāb nach diesen Rechtsschulen Farḍ (Pflicht).

Die Frauen unterstellen den Männern und unverschleierten Frauen nichts

Die Frauen, die Niqāb tragen, unterstellen weder den Männern, dass sie über die Frauen herfallen würden, würden diese mehr als nur ihre Augen entblößen, noch unterstellen sie weniger oder unverschleierten Frauen, dass diese „Schlampen” wären.

Sie sind aber realistisch und wissen, dass sich manchmal auch der anständigste und ehrenwerteste Mann in eine Frau, die ihm attraktiv erscheint, vergucken kann. Dass sich ein Mann in sie verguckt oder mit ihnen flirtet, wollen sie aber nicht - und sie wollen auch nicht dafür verantwortlich sein, dass sich in ihm eine Begierde nach ihr entwickelt. Sie wollen also sich selbst und auch den Mann vor ungewollten Gefühlen schützen, ohne dass damit eine Schuldzuweisung verbunden wäre.

Kinder haben keine Angst vor dem Niqāb

Von Natur aus haben Kinder keine Angst vor dem Niqāb, von Natur aus sind sie neugierig.

Aber wenn Eltern (oder andere Bezugspersonen) den Niqāb ablehnen oder Angst haben, überträgt sich das auf die Kinder.

Viele Frauen, die erstmals Niqāb anlegen und sich damit erstmals ihren Kindern zeigen, berichten von unterschiedlichsten Reaktionen: Manche Kinder lachen sich kaputt, andere sind neugierig, warum Mama das macht.

Wenn man Kindern vernünftig und kindgerecht erklärt, warum manche Frauen Niqāb tragen, verstehen sie das sehr gut und können gut damit umgehen, ohne Angst zu haben.

Das Gegenteil des Niqāb ist nicht Nacktheit

Der Vergleich des Niqāb mit Nacktheit als vermeintlichem Gegenpol ist zwar verbreitet, aber falsch. Das Gegenteil davon, einen Niqāb zu tragen, ist Sexyness.

Für ihren Ehemann machen sich die Frauen, die in der Öffentlichkeit Niqāb tragen, übrigens gerne schön. Da tragen sie dann auch enge Kleidung, gegen Make-up auf, schlüpfen in Schuhe mit hohen Absätzen.

Der Niqāb ist nicht immer schwarz

Schwarz scheint die vorherrschende Farbe zu sein, aber erlaubt sind im Prinzip alle Farben, sowohl eher gedeckte als auch bunte Farben (umstritten ist die Farbe Weiß).

Zu Beginn des Islam war Schwarz bei Frauen die vorherrschende Farbe (und wird darum heute oft nachgeahmt), weil schwarze Kleidung schon vorher verbreitet und bunte Kleidung einfach teuer war. Man hat die vorhandene Kleidung einfach weiterverwendet, ergänzt um einen Schleier. Im Byzanz des 15. Jahrhunderts trugen allerdings christliche Frauen schwarze Schleier und muslimische Frauen helle Schleier (beige oder cremefarben) (mehr).

Manche Frauen tragen den Niqāb nur ab und zu

Manche Frauen betrachten den Niqāb als Sunna (siehe oben) und tragen ihn darum nicht ständig in der Öffentlichkeit, sondern zu besonderen Anlässen, etwa an hohen Feiertagen.

Andere Frauen legen den Niqāb nur dann an, wenn sie zum Beispiel Make-up tragen (etwa auf dem Weg zu oder von einer Feier, auf der nur Frauen anwesend sind). Sie wollen nicht, dass fremde Männer ihr manchmal sehr kräftig geschminktes Gesicht sehen können (mehr).

Der Niqāb ist keine Erfindung des Islam

Schon lange vor dem Islam haben Frauen ihr Gesicht mit einem Schleier bedeckt - so auch jüdische und christliche Frauen (sicherlich auch die galiläische Jüdin Maria, die Mutter Jesu).

Zur Zeit Muhammads haben die Frauen der heidnischen, polytheistischen Araber ihre Gesichter wohl nicht bedeckt, doch die jüdischen und christlichen Frauen in Mekka haben ihr Gesicht verschleiert. Von ihnen hat der frühe Islam die Bedeckung des Gesichts übernommen.

Der Niqāb selbst, wie wir ihn heute kennen (ein meist mehrlagiges Tuch mit einem Sehschlitz, der mit Bändern, die am Hinterkopf geschlossen werden, befestigt wird), ist eine relativ moderne Weiterentwicklung früherer Gesichtsschleier und im Prinzip eine möglichst einfache und bequeme Möglichkeit, das Gesicht zu bedecken, die nicht viel Aufwand erfordert und zugleich in größerer Stückzahl hergestellt und preiswert an die Frau gebracht werden kann.

Ein Verbot verbessert die Sicherheit nicht

Frankreich hat trotz eines umfassenden Verbotes zwei sehr schwere Terroranschläge erlebt. In keinem Fall hat einer der Attentäter einen Niqāb getragen. Ein Verbot hat bisher keinen Terroranschlag verhindert.

Dennoch erreichen die Terroristen ihr Ziel; denn sie wollen, dass wir die Muslime ausgrenzen, sie wollen einen Keil zwischen die Mehrheitsgesellschaft und die Muslime treiben. Dies führt zu einer Radikalisierung der Muslime, die dann nach dem Kalkül der Terroristen leichte Beute für Hassprediger werden. Eine Gesellschaft, in der Muslime frei und ohne Einschränkungen leben und sogar ihren Niqāb ungehindert tragen können, ist gar nicht nach dem Geschmack der Terroristen.

Wer ein Verbot fordert, erhält dafür nicht nur den Applaus von Fremden- und Islamfeinden, sondern auch von vermeintlich muslimischen Terroristen.

Der Niqāb fällt nicht unter das Vermummungsverbot

Das Versammlungsgesetz enthält mit § 17 Abs. 2a ein Vermummungsverbot, das bei öffentlichen Versammlungen und Aufzügen gilt - jedoch nicht, wenn diese religiösen oder kulturellen Zwecken dienen (z.B. Prozessionen, Brauchtumsveranstaltungen).

Bedingung für ein Vermummungsverbot ist, dass die Vermummung dazu geeignet und darauf gerichtet ist, während einer Versammlung unerkannt eine Straftat zu begehen.

Die Folge eines Verbotes

Würde der Niqāb verboten, würde das für manche Frauen bedeuten, dass sie ihr Haus nicht mehr verlassen werden (mehr).