Was ist Muslimas in Österreich nach Einführung des umgangssprachlich als ‚Burkaverbot‘ bekannt gewordenen Anti-Gesichtsverhüllungsgesetzes (AGesVG) erlaubt,was ist ihnen verboten?

Erlaubt ist ihnen, einen Hidschab zu tragen, der den Bereich unterhalb des Haaransatzes bis zum Kinn unbedeckt lässt, also lediglich das Haupthaar und den Hals verhüllt.

Verboten ist Hidschab-Trägerinnen jedoch, den Hidschab so zu tragen, dass auch Kinn, Mund bzw. Nase bedeckt sind (z.B. bei Tschador oder Tscharschaf), auch die Stirn sowie die Augenbrauen dürfen nicht bedeckt sein. Verboten ist ihnen auch, einen transparenten oder durchscheinenden Gesichtsschleier zu tragen (z.B. einen Boushiya).

Dabei ist der Hinweis wichtig, dass zum Gesicht bzw. zu den Gesichtszügen auch die Ohren gehören; denn das Gesicht endet an den Seiten nicht schon mit den Wangen, sondern erst mit dem Haaransatz hinter den Ohren. Nach dem Gesetzestext dürften auch sie eigentlich nicht verhüllt oder verborgen werden.

Erlaubt ist Muslimas darüber hinaus, an nicht öffentlichen Orten bzw. in nicht öffentlichen Gebäuden (Privatwohnungen, Privatkraftfahrzeug, Räumlichkeit für eine geschlossene Gesellschaft usw.) einen Nikab zu tragen, ebenso - im Rahmen der Religionsausübung - in Moscheen.

Dabei ist der Hinweis wichtig, dass der Gesetzestext eigentlich auch in Moscheen ein Gesichtsverhüllungsverbot vorschreibt, da sie zum einen öffentliche Gebäude nach § 2 Abs. 1 AGesVG sind und zum anderen die Religionsausübung keine Ausnahme nach § 2 Abs. 2 AGesVG darstellt.

Verboten ist Nikab-Trägerinnen jedoch, einen Nikab als Kälteschutz, im Rahmen von kulturellen, künstlerischen oder traditionellen Veranstaltungen, im Rahmen der Sportausübung aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen zu tragen oder wenn eine Verhüllung oder Verbergung der Gesichtszüge durch Bundes- oder Landesgesetz vorgesehen ist.

Was ist nun mit Fasching oder Halloween, wo sich viele Menschen verkleiden, oft auch das Gesicht mit einer Maske verbergen? Im Rahmen von Faschings- oder Halloween-Veranstaltungen und ähnlichen Feiern mit Verkleidungen und Kostümierungen ist es Feiernden staatlicherseits erlaubt, zur Kostümierung eine „Burka“, einen Nikab o.ä. zu verwenden; es gibt kein „Burkaverbot“, das im Rahmen solcher Veranstaltungen die Verwendung dieser Kleidungsstücke verbieten würde, da eine solche Veranstaltung ja nicht religiös begründet ist. Es ist jedoch während dieser Festzeiten Muslimas verboten, aus religiösen Gründen das Gesicht mit einem Schleier zu verhüllen. 


Ausführlich

Ausführlicher Artikel: AGesVG in Österreich - was ist Muslimas verboten, was erlaubt?


Hinweise

Unklar ist derzeit noch, wie die Polizei reagiert, wenn der Hidschab die Stirn bedeckt. Wahrscheinlich gibt sich die Polizei damit zufrieden, wenn die Stirn bedeckt ist (wer misst schon den Abstand zum Haaransatz nach?), aber die Augenbrauen zu erkennen sind.

Unklar ist derzeit ebenfalls noch, ob eine Muslima während ihrer Hochzeit einen (weißen) Nikab als Brautschleier tragen darf - oder nur ein westlicher Brautschleier erlaubt ist. In der Moschee, während der islamischen Trauung, dürfte der Nikab erlaubt sein, ebenso während der Hochzeitsfeier im Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft, jedoch nicht im öffentlichen Raum und in öffentlichen Gebäuden (Standesamt).