Mit welchem Alter beginnt eine Frau, Niqāb zu tragen?

Das ist unterschiedlich.

Viele Frauen beginnen damit, wenn sie heiraten, andere, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Für wieder andere ist die Ḥaǧǧ (Haddsch) der Auslöser - oder ein anderes religiöses Erlebnis, das sie prägt. Oftmals ist der Niqāb bei einer muslimischen Frau Ausdruck einer „Erweckung”. Er steht für einen Umbruch in ihrem Leben.

Wenn das Mädchen aus einer Familie stammt, in der auch die Mutter Niqāb trägt, beginnt die Tochter für gewöhnlich nicht vor dem Eintreten der ersten Regel mit dem Tragen des Niqāb - meist aber deutlich später (und sie beginnt meist zuerst mit dem Hidschāb, ehe sie dann auch den Niqāb anlegt).

Gerade in Deutschland wollen viele Eltern, dass ihre Töchter damit warten, bis sie zumindest verheiratet sind. Da es durchaus so ist, dass nicht wenige dieser Töchter unbedingt dem Vorbild ihrer Mutter (und oft auch anderer Bezugspersonen in Familie und Moscheegemeinde) folgen wollen, müssen die Eltern die jungen Mädchen häufig bremsen.

Dass umgekehrt die Eltern wollen, dass ihre Tochter früh mit dem Tragen des Niqāb beginnt, diese aber noch ein wenig warten will, ehe sie den Niqāb dauerhaft trägt, kommt aber auch vor.

Manche Mädchen beginnen damit, dass sie den Niqāb zuerst nur zu bestimmten Zeiten tragen, aber beispielsweise nicht in der Schule. Manche legen ihn zuerst nur an, wenn sie eine Moschee besuchen oder ihre verschleierte Mutter zum Einkaufen, zu Freundinnen usw. begleiten. Und einige Mädchen verbringen erst einmal viel Zeit damit, mit ihren Freundinnen (und manchmal auch mit der Mutter) neue Styles auszuprobieren, um herauszufinden, wie ihnen der Niqāb am besten gefällt.

Wenn das Mädchen oder die Frau aus eigener Überzeugung den Entschluss fasst, Niqāb tragen zu wollen, werden die meisten Mädchen wenigstens 16, 17 Jahre alt sein. Viele finden aber auch erst in späteren Jahren zum Niqāb.

Es gibt auch einige Eltern, die ihren Töchtern schon sehr früh Hidschāb bzw. Niqāb anlegen. Das wird aber auch von den meisten Niqābi sehr kritisch gesehen und meist als „unislamisch” abgelehnt. „Ein Kind muss Kind sein dürfen”, meinen dazu viele Niqābi.