Warum tragen eigentlich manche Frauen nicht nur einen Niqāb, sondern auch Handschuhe?

Die vier traditionellen Rechtsschulen des sunnitischen Islam betrachten das Zeigen oder Nichtzeigen von Gesicht, Händen und Füßen als eine Einheit, wobei das Bedecken des Körpers mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen in jedem Fall Farḍ (Pflicht) ist.

So ist es für eine Frau Sunna (empfehlenswert), Gesicht, Hände und Füße zu bedecken - und darüber hinaus ist dies Farḍ (Pflicht), wenn sie Fitna (Versuchung) fürchtet. 

Betrachtet eine Muslima das Bedecken des Gesichts und der Hände als Sunna, so hat sie keine jenseitige Bestrafung zu erwarten, wenn sie nur das Gesicht oder nur die Hände bedeckt. Sie erhält jedoch sowohl für das Bedecken des Gesichts als auch der Hände jeweils eine jenseitige Belohnung.

Betrachtet sie es jedoch als Farḍ, so ist sie verpflichtet, sowohl das Gesicht als auch die Hände zu bedecken, also sowohl Niqāb als auch Handschuhe zu tragen. Einige vertreten jedoch die Meinung, dass es abhängig ist davon, wie sehr eine Frau Fitna fürchtet, ob sie nur das Gesicht bedecken muss oder - wenn sie eine sehr große Versuchung fürchtet - auch die Hände.

Manche Muslima bedecken ihre Hände auch dann mit Handschuhen, wenn sie beispielsweise Henna-Kunst auf ihre Hände aufgetragen oder sie auf andere Weise verschönert haben, dies aber nicht fremden Männern zeigen wollen, sondern nur dem Ehemann.

Aus dem gleichen Grund tragen manche Frauen ihren Niqāb auch vor allem dann, wenn sie Make-up aufgetragen haben.