Ist es für eine muslimische Frau Pflicht, einen Niqāb zu tragen?

Nein, aber...

Grundsätzlich ist es nach den vier traditionellen Rechtsschulen des sunnitischen Islam Sunna, das heißt empfehlenswert, Niqāb zu tragen. Trägt eine Frau Niqāb, so erhält sie dafür eine jenseitige Belohnung. Tut sie es nicht, so erwartet sie dafür keine Bestrafung.

In allen vier Rechtschulen gilt der Niqāb aber unter bestimmten Bedingungen als Farḍ, das heißt als Pflicht. Ignoriert sie diese Pflicht oder erfüllt sie diese Pflicht nicht, so wird sie dafür im Jenseits bestraft.

Es hängt also davon ab, ob eine Muslima den Niqāb als Sunna oder als Farḍ betrachtet. Betrachtet sie ihn als Farḍ, so wäre ein Verstoß genau so, als würde ein Muslim Alkohol trinken oder Schweinefleisch essen.

Das bedeutet auch, dass wir, wenn wir einer Frau, für die Niqāb Farḍ ist, das Tragen des Niqāb verbieten, ebenso gut zwingen könnten, eine Schweinshaxe und ein Weißbier zu sich zu nehmen (etwa damit sie sich integriert und nicht von unserer Oktoberfest-Kultur absondert).

Eine Muslima, für die Niqāb Farḍ ist, wird im Falle eines „Burkaverbotes” das Verbot nicht befolgen. Entweder bleibt sie zu Hause und verlässt ihre Wohnung nicht mehr, oder sie riskiert eine Strafe.