Führt das Tragen der Burka nicht zu einem Mangel an Vitamin D?

Vitamin D wird hauptsächlich über die von unserer Haut absorbierte UVB-Strahlung produziert - und sollte auch in erster Linie auf diese Weise produziert werden.

Wir sollten im Durchschnitt nur etwa 20 % unseres Bedarfs an Vitamin D über die Nahrung zu uns nehmen (dies insbesondere im Winter).

Die Folgen eines Mangels an Vitamin D sind schwerwiegend:

  • Erhöhtes Infektionsrisiko (darunter auch Tuberkulose)
  • Erhöhtes Risiko, an Osteomalazie zu erkranken
  • Verminderung der Knochendichte, erhöhte Gefahr von Knochenbrüchen (z.B. Beckenbruch bei Geburten), Störungen der Gehbewegungen
  • Stark erhöhtes Risiko, aufgrund einer Muskelschwäche und der Gefahr eines Beckenbruchs eine Geburt per Kaiserschnitt erleiden zu müssen
  • Störung der Knochenbildung bei ungeborenen und gestillten Kindern (nachweisbar bis wenigstens zehn Jahre nach der Geburt anhand von Mineralisierung, Knochenumfang und -dichte) bzw. erhöhtes Risiko für die Kinder, an Rachitis zu erkranken
  • Störung der Bildung und des Erhaltes des Zahnapparates
  • Störung des Kalziumhaushaltes
  • Verschlechterung des Cholesterinquotienten
  • Erhöhtes Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, möglicherweise ungünstige Beeinflussung eines Verlaufs einer bestehenden MS-Erkrankung
  • Erhöhtes Risiko, an weiteren Erkrankungen wie z.B. Autoimmunerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes zu erkranken
  • Wahrscheinlich erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken
  • Möglicherweise erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken

Je nach Wissenschaftler gilt ein Vitamin-D-Spiegel von 75 oder 50 Einheiten im Blut als optimal. Ein Spiegel unter 25 Einheiten im Blut gilt als Vitamin-D-Mangel.

Der Vitamin-D-Spiegel ist von den Jahreszeiten abhängig; im Sommer ist er im Mittel der Bevölkerung höher, im Winter niedriger. Zudem ist er von der Hautfarbe abhängig; je dunkler die Haut, um so niedriger ist der Spiegel im Durchschnitt. 

In Deutschland haben ca. 90 % der Bevölkerung im Jahresmittel einen Vitamin-D-Spiegel unter 75 Einheiten im Blut, 60 % unter 50 Einheiten (suboptimal), 16 % unter 25 Einheiten (Mangel). 

Es gibt eine lange Liste von Faktoren, die die Produktion von Vitamin D im Körper einschränken:

  • tatsächlicher Sonnenmangel durch Aufenthalt in Räumen oder eine nachtaktive Lebensweise
  • niedriger UV-Index des Sonnenlichts, insbesondere im Winter (unter UV-Index 3)
  • Ernährung ohne Fisch, vegetarisch oder vegan
  • Dunklere Hautfarbe (mediterraner Typ oder dunkler)
  • Starker Bartwuchs (Vollbart)
  • Höheres Alter
  • Fettleibigkeit
  • Bekleidung, Verhüllung, Verschleierung
  • Sonnenschutzmittel
  • Diverse Erkrankungen
  • Diverse Medikamente
  • Magnesium-Mangel
  • Möglicherweise Laktoseintoleranz
  • Möglicherweise duschen od. baden nach dem Sonnenbad

Zu beachten ist, dass die Hautfarbe eine entscheidende Rolle spielt. So gibt es im Hinblick auf unsere Frage starke Unterschiede zwischen eher hellhäutigen Frauen, die zum Islam konvertiert sind (ca. 30-40 % der Nikab-Trägerinnen in Deutschland), und muslimischen deutschtürkischen, deutscharabischen oder deutschafrikanischen Frauen mit dunklerer Haut.

Im Sommer reicht die Sonnenstrahlung in unseren Breiten gerade so aus, um hellhäutigen Menschen die Produktion einer ausreichenden Menge von Vitamin D (einschließlich einer Reserve für den Winter) zu ermöglichen, doch je dunkler die Haut, um so weniger Vitamin D wird produziert, und dann reicht die Sonnenstrahlung möglicherweise nicht mehr aus. 

Im Winter reicht die Sonnenstrahlung in Mittel- und Nordeuropa auch für hellhäutige Menschen nicht aus, damit der Körper genügend Vitamin D zu produzieren vermag. In dieser Zeit zehrt der Körper von sommerlichen Reserven (soweit vorhanden) und über die Nahrung zugeführtem Vitamin D. Dies reicht jedoch in der Regel nicht aus, und man sollte zusätzlich Vitamin-D-Präparate zu sich nehmen (nur nach Beratung durch den Arzt oder Apotheker). Dies gilt insbesondere für schwangere und stillende Frauen, die einen erhöhten Bedarf an Vitamin D haben. 

Junge, gesunde Menschen mit einem hellen Hauttyp brauchen in Nord- und Mitteleuropa pro Woche je nach UV-Index etwa drei- bis viermal mal 15 bis 30 Minuten Sonnenschein auf Gesicht, Armen und Beinen. Je dunkler die Haut oder je älter der Mensch, um so mehr Sonnenschein wird benötigt, um auf diese Weise ausreichend Vitamin D zu produzieren. Dabei ist jedoch ein Sonnenbrand unbedingt zu vermeiden (und sind die Augen unbedingt vor der UV-Strahlung zu schützen). Sonnenschutzmittel wiederum vermindern die Produktion von Vitamin D erheblich - bei Lichtschutzfaktor 8 im Mittel um mehr als 90 %, bei LSF 15 um fast 100 %. 

Die Verschleierung des Körpers entspricht in etwa der ebenso langen Verwendung von Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor 15 oder höher (wobei die Schutzwirkung eines Sonnenschutzmittels gegen Sonnenbrand und damit Hautkrebs geringer ist als die einer Verschleierung). 

Wer Hidschab und/oder Nikab trägt, sollte darauf achten, in einem geschützten Umfeld „Sonne zu tanken“ (ohne sich der Gefahr eines Sonnenbrands auszusetzen). Hierfür reichen - je nach UV-Index und Hauttyp - je Woche drei- bis viermal 15 bis 30 Minuten auf Gesicht, Armen und Beinen. 

Nach dem Sonnenbaden sollte die Haut übrigens mindestens 4-6 Stunden ruhen; denn es gibt Hinweise darauf, dass nach dem Sonnenbad beispielsweise eine erfrischende Dusche oder auch nur ein Abwaschen der Haut mit Wasser die Aufnahme von Vitamin D aus den oberen Hautschichten reduziert. Vermutlich wird dieser Effekt durch Seifen verstärkt. Unklar ist, ob dies auch für Cremes und Lotionen gilt, die nach dem Sonnenbad aufgetragen werden.

Vitamin D vs. Hautkrebs

Grundsätzlich gilt: UV-Strahlung schadet der Haut (gerade bei hellen Hauttypen) und insbesondere den Augen. Es ist also immer ein Balance-Akt zwischen ausreichend UVB-Strahlung, damit Vitamin D produziert wird, und ausreichend Schutz vor UV-Strahlung, um Schäden für die Haut (z.B. Hautkrebs) und die Augen zu verhindern. 

Für die Haut gilt ab einem UV-Index von 3 die Faustregel: Nur die Hälfte der Zeit Sonnenbaden, in der man einen Sonnenbrand bekommen würde. In der übrigen Zeit ist ein Sonnenschutzmittel zu verwenden, dessen Lichtschutzfaktor mindestens doppelt so hoch ist die der UV-Index (bei Kindern fünfmal so hoch). Bei einem UV-Index von 5 verwenden Menschen mit heller Haut also LSF 10, Menschen mit sehr heller Haut sogar LSF 15, Menschen mit hellster Haut LSF 20, Kinder LSF 25. Dabei gilt: Kleidung schützt im Allgemeinen besser als andere Sonnenschutzmittel. 

Für die Augen gilt: Ab einem UV-Index von 3 ist eine Sonnenbrille, die UV-Strahlung filtert (und dies mit einem Prüfzeichen belegt), unbedingt erforderlich. 

Je nach Material, Dicke und Farbe des Augenschleiers eines Nikab kann auch dieser die Augen bis zu einem gewissen Grad vor UV-Strahlung schützen (Polyester und einige andere Kunstfasern, dunkle Farben), jedoch ist auch hier gerade bei einem UV-Index ab 5 eine Sonnenbrille, die UV-Strahlung filtert, vorzuziehen. Das bei manchen Nikabs eingesetzte feine Stoffnetz unterhalb der unteren Stofflage ist hingegen nicht als UV-Schutz geeignet. 

Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel

Reich an Vitamin D sind z.B. fettreiche Fische wie Forelle, Aal, Hering, Lachs, Schwarzer Heilbutt und Sardinen (Wildfänge), Austern, Avocados, Eier (hier vor allem das Eigelb), Leber von Lamm, Rind oder Huhn, Schmelzkäse (45% Fett i.Tr.). Auch Butter und Pflanzen- sowie Diätmargarine enthalten Vitamin D. 

Vitamin D ist hitzestabil (bis 180 °C), kann aber beim Waschen oder Kochen der Lebensmittel in Wasser verloren gehen. Es empfiehlt sich die Zubereitung im Dampfgarer. Beim Aufwärmen geht sehr viel Vitamin D verloren. 

Fazit

Wenn hellhäutige verschleierte Frauen darauf achten, an einem geschützten Ort ausreichend Sonne zu tanken und ggf. im Winter zusätzlich Vitamin-D-Präparate zu sich zu nehmen, ist bei ihnen kein Vitamin-D-Mangel zu befürchten.

Anders sieht es bei Frauen mit einem eher mediterranen Hauttyp oder noch dunklerer Haut aus. Bei ihnen reduziert nicht nur der Schleier, sondern auch die dunklere Pigmentierung der Haut die Vitamin-D-Produktion. Sie benötigen längere Sonnenbäder oder aber Vitamin-D-Präparate. 

Auch andere Ursachen können die Produktion von Vitamin D behindern (z.B. höheres Alter, diverse Erkrankungen, Fettleibigkeit). Sind davon betroffene Frauen verschleiert, wird dies noch verstärkt, so dass eine ärztlich kontrollierte Gabe von Vitamin-D-Präparaten unbedingt angeraten ist.

Nicht zu empfehlen ist jedoch eine Selbstmedikation, etwa mit (hochdosierten) Vitamin-D-Präparaten aus Drogeriemärkten. Lassen Sie sich von einem Arzt oder Apotheker beraten - haben Sie dunklere Haut, sind Sie älter und/oder eher übergewichtig, ist eine ärztliche Kontrolle dringend angeraten. 

Einen Vorteil hat die Verschleierung: Bei älteren Frauen ist die über Jahren hinweg vom Schleier geschützte Haut noch besser in der Lage, Vitamin D zu produzieren als bei gleichaltrigen Frauen, deren Haut durch jahrelange Sonneneinstrahlung stärker gealtert ist und darum weniger Vitamin D produzieren kann.