Ist der Niqāb im Straßenverkehr verboten?

Nein.

Schauen wir erst einmal, was der Straßenverkehr von Rechts wegen beinhaltet:

Der Straßenverkehr findet auf allen Flächen statt, die zu Verkehrszwecken verwendet werden (der öffentliche Straßenverkehr auf allen Flächen, die der Allgemeinheit zu Verkehrszwecken offenstehen - auch dann, wenn diese Fläche nicht gewidmet ist). Es gilt für alle Straßen, Radwege, Fußgängerwege, Fußgängerzonen, Parkplätze, Parkhäuser, Tankstellen usw.

Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr sind alle Personen, die sich auf diesen Flächen aufhalten - egal ob als Fußgänger oder in bzw. auf einem durch Muskelkraft bewegten oder durch Motorkraft angetriebenen straßengebundenen Verkehrsmittel, egal ob als Fahrzeuglenker oder Passagier.

Zu den Straßenverkehrsteilnehmern gehören damit Fußgänger, Fahrradfahrer, Rollstuhlfahrer, Moped- und Mofafahrer, Motorradfahrer, Autofahrer, selbst die Beifahrer in einem Kfz oder die Passagiere in einem Bus oder die Fahrgäste in einem Taxi. Selbst der Patient im Rettungs- oder Krankentransportwagen, der Gefangene im Polizeiwagen oder die schlafende Person in einem Wohnmobil oder einem Wohnwagen, das auf einem Rastplatz oder Campingplatz abgestellt ist, ist ein Verkehrsteilnehmer (vgl. „Besetzung” in § 23 Abs. 1 StVO).

Selbst wenn der Niqāb in der Öffentlichkeit verboten wäre, so wäre es doch einer Frau nicht verboten, ihn in ihrem privaten Pkw und damit im Straßenverkehr zu tragen (so ist z.B. die Rechtslage in Frankreich).

Somit gibt es nicht nur kein Verbot des Niqāb im Straßenverkehr - es ist auch gar nicht umsetzbar. Oder sollte die Polizei alle abgestellten Wohnmobile überprüfen, ob eine darin sitzende Frau einen Niqāb trägt?

Viele denken bei „Straßenverkehr” allerdings nur an Personen, die ein (Kraft-) Fahrzeug führen, also die Personen am Steuer oder am Lenker.

Siehe dazu die Frage „Darf eine Frau mit Niqāb Auto fahren?”