Wann und wo wurde das erste Burkaverbot in Europa erlassen?

Viele nehmen irrtümlich an, es sei 2010 in Frankreich gewesen - allerdings war es tatsächlich der Faschist Francisco Franco, der, nachdem er im Spanischen Bürgerkrieg die Macht ergriffen hatte, 1939 die Gesichtsverschleierung in Spanien verboten hatte. Diese war bis dahin in der Cádiz, einer Provinz im Süden Spaniens, bei Christinnen noch üblich. Deren Schleier bedeckte den ganzen Körper mit Ausnahme eines Auges. Daran erinnert bis heute das Denkmal „La Cobijada” („Die Geschützten”) in Vejer de la Frontera.

Einige Jahre vorher wurde unter Mustafa Kemal Atatürk in der Türkei das Tragen sowohl des Kopftuches als auch des Gesichtsschleiers untersagt - und Männern das Tragen des traditionellen Fez.

Es folgten dann 2011 Frankreich und Belgien, 2016 Lettland, das Schweizer Kanton Tessin und Bulgarien sowie die südungarische Stadt Asotthalom.

Außerdem gibt es in Italien seit 1975 ein „Vermummungsverbot”, das auch auf verschleierte Frauen angewendet wird (obwohl es nach dem Gesetzestext bei einem „gerechtfertigten Motiv” nicht gelten sollte).

Derzeit bereiten die Niederlande ein Verbot vor. Nachdem das Parlament bereits zugestimmt hat, steht die Zustimmung des Senats noch aus. Das Gesetz wird vermutlich 2017 in Kraft treten.

Kampf gegen die Verschleierung muslimischer Frauen im kolonialen Zeitalter

Schon vorher, während der Kolonialzeit, haben Europäer in den Kolonien die Verschleierung muslimischer Frauen bekämpft, dies auch unter Anwendung von Zwang. Susanne Kaiser hat hierüber einen sehr lesenswerten - und höchst aktuellen - Artikel verfasst, der 2015 bei Qantara.de erschienen ist: „Das Kopftuch im kolonialen Zeitalter - Entschleiert euch!