Ist es für eine Muslima Sünde, wenn sie ihren Niqāb abnimmt?

Im Islam gilt Sünde als Ungehorsam gegen Gott, seinen Auftrag oder sein Gesetz. Sünde wird beschrieben als die bewusste Übertretung der göttlichen Norm in Gedanken, Worten und Taten. Sünden werden im Jüngsten Gericht bestraft; es ist allerdings auch Vergebung möglich - wenn aufrichtiger Glaube gegeben ist, das Leben am Vorbild Muhammads (Sunna) ausgerichtet wird und die religiösen Pflichten gewissenhaft erfüllt werden, wodurch Sünden getilgt werden.

Sünde zu vermeiden spielt im Leben gläubiger Muslime eine große Rolle. Sie richten darum ihr Leben am Vorbild Muhammads aus, wollen ihre religiösen Pflichten gewissenhaft erfüllen und das tun, was als empfehlenswert bzw. wünschenswert gilt. Sie tun dies aus Liebe zu Gott, erweisen ihm damit ihre Dankbarkeit und ehren ihn.

Wenn es für die Muslima Sunna bzw. Mustaḥabb ist, den Niqāb zu tragen, dann würde das Ablegen des Schleiers (Sufūr) keine Bestrafung im Jüngsten Gericht nach sich ziehen. Allerdings würde sie die jenseitige Belohnung verlieren, die sie erhalten hätte, würde sie den Niqāb nicht abgenommen haben.

Wenn es für eine Muslima Farḍ ist, den Niqāb zu tragen, dann würde das Ablegen des Schleiers eine Bestrafung im Jüngsten Gericht nach sich ziehen.

Dies gilt nicht, wenn sie den Niqāb ablegt, um etwas zu erfüllen, was ebenfalls Farḍ ist (etwa unverschleiert eine Zeugenaussage vor Gericht zu machen, unverschleiert an der Ḥaǧǧ teilnehmen). In diesem Fall wird sie abwägen, welches die größere Pflicht ist.