Schränkt der Niqāb nicht das Sichtfeld der Trägerin stark ein?

Der Sehschlitz eines Niqāb ist ja sehr eng, vielleicht 4,5 cm hoch und 11 cm lang, und da geht der Blick geradeaus, links und rechts bekommt man nicht mehr mit.

Ich habe nachgemessen: Meine Gleitsichtbrille ist 12 cm lang und 3 cm hoch, und das verteilt sich auch noch auf zwei Brillengläser (oben jeweils Fernsicht, unten Nahsicht). Und wie eine Niqāb-Trägerin muss ich meinen Kopf bewegen, um links und rechts, oben und unten alles zu sehen. Wegen der Gleitsichtbrille muss ich manchmal sogar genau zielen, um etwa im Nahbereich scharf sehen zu können.

Ich habe also ziemlich genau dasselbe Sichtfeld wie eine Niqābi - jeder Brillenträger kennt damit im Prinzip den Blick durch einen Niqāb. Ja, unser Sichtfeld ist eingeschränkt (und seitdem ich einmal Kontaktlinsen probiert habe, weiß ich, wie es ohne Brille aussieht - es ist ein Unterschied).

Also ja, das Sichtfeld ist eingeschränkt - je nach Größe des Sehschlitzes bzw. der Brille vergleichbar mit dem eines Brillenträgers. 

Man darf dabei aber nicht vergessen: Die Pupille ist recht klein - und bei einer Brennweite unseres Auges von ca. 50 mm (umgerechnet auf Kleinbildformat) spielt die Einschränkung durch den Niqāb kaum eine Rolle, solange die Niqābi geradeaus blickt. Blickt sie mit den Augen zu einer Seite, nach oben oder nach unten, kommt natürlich irgendwann der Rand des Sehschlitzes im Blickfeld - wie bei einem Brillenträger der Rand des Gestells. Dreht sie nun den Kopf, um in eine andere Richtung zu schauen, bewegt sich der Niqāb - und damit ihr Sichtfeld - selbstverständlich mit - wie bei einer Brille.