Der Niqāb soll doch verhindern, dass Frauen angeschaut werden. Aber in Deutschland werden ja Frauen mit Niqāb gerade angeschaut oder sogar angestarrt. Wäre es da nicht besser, sie würden sich normal kleiden, um nicht aufzufallen?

Der Zweck des Niqāb ist eigentlich nicht zuerst der, nicht angeschaut zu werden, sondern als eine freie Frau erkannt und nicht „belästigt” zu werden. Das setzt natürlich voraus, dass sie gesehen werden.

Des weiteren ist der Zweck des Niqāb nicht, nicht angeschaut zu werden, sondern nicht mit begehrlichen Blicken angeschaut zu werden.

Der Niqāb soll nicht die Frau verstecken oder unsichtbar machen, sondern ihre Reize verhüllen. Eine Frau, die Niqāb trägt, möchte selbst bestimmen, wem sie ihre Reize, ihre Schönheit zeigt.

Die meisten Frauen tragen den Niqāb auch, um zu zeigen, dass sie vom Schönheitswahn und dem Körperkult der westlichen Gesellschaft frei sind, dass sie sich den normativen Bildern einer hypersexualisierten und sexistischen Gesellschaft, der „Leitkultur” der Modeindustrie (oder auch der Sex- und Pornoindustrie?) entziehen. Sie geben zu erkennen, dass sie von einer Gesellschaft träumen, in der innere Werte zählen.