Wie viele der muslimischen Frauen tragen weltweit Niqāb?

Hierzu gibt es keine wirklich verlässliche Zahl.

Man schätzt, dass zwischen 10 und 15 % aller muslimischen Mädchen und Frauen, die die Pubertät erreicht haben, eine Form des Niqāb tragen.

Da der Niqab vor allem von sunnitischen Muslimas getragen wird, wären das zwischen 12 % und 18 % aller sunnitischen Mädchen und Frauen, die die Pubertät erreicht haben.

Den höchsten Anteil innerhalb des sunnitischen Islam findet man bei Angehörigen der hanbalitischen Rechtsschule sowie bei Angehörigen der Salafiyya. Danach sind Angehörige der schafi'itischen sowie der malikitischen Rechtsschule zu nennen. Den geringsten Anteil findet man bei Angehörigen der hanafitischen Rechtsschule (die allerdings die meisten Anhänger weltweit hat). Alle Rechtsschulen betrachten Niqāb als Sunna (empfehlenswert) und nur in bestimmten Situationen als Farḍ (Pflicht). In der hanbalitischen Rechtsschule und in der Salafiyya sehen allerdings die meisten Gelehrten jene Situationen, in denen Niqāb wegen der Furcht vor Fitna (Versuchung) Farḍ ist, als de facto ständig gegeben an, so dass der Niqāb hier quasi als Farḍ, als Pflicht, gilt. Dies bejahen viele Gelehrte der hanbalitischen Rechtsschule und der Salafiyya gerade auch dann, wenn Muslime, die Koran und Sunna folgen, als Minderheit in einer Gesellschaft leben, die nicht den Geboten des Islam folgt.

Schätzungsweise zwischen 4 und 6 % aller muslimischen Mädchen und Frauen, die die Pubertät erreicht haben, tragen gar keine muslimische Kopfbedeckung. Damit würden etwa 79 bis 86 % aller muslimischen Mädchen und Frauen, die die Pubertät erreicht haben, Hidschāb in irgend einer Form tragen, ohne ihr Gesicht mit einem Niqāb zu bedecken.

Von allen muslimischen Mädchen und Frauen ab Erreichen der Pubertät, die eine Kopfbedeckung tragen (rund 95 %), tragen geschätzte 13 % (plus/minus 2 %) eine Form des Niqāb. 

Der Anteil der Frauen, die Burqa tragen, ist verschwindend gering. Manche schätzen sie auf bis zu 10 % aller Frauen, die Niqāb tragen - das wären dann bis zu 1,5 % aller muslimischen Mädchen und Frauen ab Erreichen der Pubertät.

Aber wie gesagt - alle diese Zahlen sind Schätzungen, die vor allem auf Schätzungen aus bevölkerungsreichen muslimischen Staaten beruhen. Es sind damit nur Annäherungswerte.

In nichtmuslimischen Staaten bzw. solchen Staaten, in denen die Muslime (und hier gerade die Angehörigen der hanbalitischen Rechtsschule oder der Salafiyya) eine Minderheit bilden, haben wir natürlich mit ganz anderen Anteilen verschleierter Frauen an den Muslimas zu rechnen. Allgemein begünstigt das Leben in einer Diaspora- und Minderheitensituation das Tragen des Niqāb. Auch tragen überdurchschnittlich viele Frauen, die zum Islam konvertieren, Niqāb. Gehören allerdings viele Muslime in einem Land zur hanafitischen Rechtsschule (wie dies etwa in Deutschland der Fall ist), drückt dies eher den Anteil der muslimischen Frauen, die Niqāb tragen.

In Deutschland sollen etwa zwischen 30 bis 33 % aller muslimischen Mädchen und Frauen ab der Erreichen der Pubertät Hidschāb tragen. Etwa 1,9 Millionen muslimische Mädchen und Frauen leben in Deutschland, von denen schätzungsweise 1,4 Millionen alt genug sind, um Hidschāb zu tragen, so dass schätzungsweise 500.000 Muslimas Hidschāb tragen. Bis zu 6.500 von ihnen tragen zudem Niqāb, das wären also rund 1 - 1,3 %. Von ihnen ist schätzungsweise jede dritte eine zum Islam konvertierte Deutsche, ein weiteres Drittel kommt Schätzungen zufolge aus muslimischen Familien, in denen die Mütter keinen Niqāb tragen. Nur bei einem Drittel der Niqāb-Trägerinnen tragen die Mütter selbst Niqāb. Der Niqāb wird also hierzulande mehrheitlich nicht aus familiärer Tradition getragen oder weil dies im Herkunftsland so üblich wäre. Schätzungsweise zwei Drittel der Niqāb-Trägerinnen haben die deutsche Staatsbürgerschaft (alle zum Islam konvertierten Deutschen, rund zwei Drittel der Frauen, deren Mütter auch Niqāb tragen, und rund ein Drittel der Frauen, deren Mütter keinen Niqāb tragen - das hängt damit zusammen, dass rund 35 % der Bürger mit türkischem und rund 68 % der Bürger mit nahöstlichem oder nordafrikanischem Migrationshintergrund die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen). Die Niqābi ist also mehrheitlich eine deutsche Staatsangehörige.

Auch diese Zahlen sind wiederum allesamt Schätzungen, die auf Angaben zum Islam und zu Bürgern mit Migrationshintergrund in Deutschland beruhen. Es sind Annäherungswerte.