Salafiyya

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Salafiyya

Die as-Salafiyya oder kurz Salafiyya, fälschlich auch als „Salafismus” bezeichnet (und die Anhänger als „Salafisten”), ist eine recht heterogene Reformbewegung innerhalb des sunnitischen Islam. Die Anhänger werden Salafi genannt.

Die Salafiyya ist eine sehr konservative Bewegung innerhalb des Islam, die sich in allen Fragen des Islam auf die ersten drei Generationen des Islam beziehen, die „Zeit der ehrwürdigen rechtschaffenen Vorfahren” (as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ).

Dabei lehnen sie nicht die Errungenschaften der Moderne ab, sondern nur die theologischen Neuerungen (Bid‘ah) seit den as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ. Es ist also nicht ungewöhnlich, dass die Frauen der Salafi einerseits komplett verschleiert sind und damit wie Zeitreisende aus dem 7. Jahrhundert wirken (wobei der Niqāb eigentlich eine recht moderne Erfindung ist; damals sahen die Gesichtsschleier, Ǧilbāb genannt, anders aus, hatten aber die gleiche Funktion), andererseits mit ihren Handschuhen Smartphones benutzen oder durch ihren engen Sehschlitz in die Sucher moderner Digitalkameras blicken.

Die Salafiyya ist von der Entstehung her der hanbalitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam zuzuordnen, aus der auch die Wahhābīya in Saudi-Arabien hervorgegangen sind.

Die Salafiyya verwirft jedoch das Konzept der Rechtsschulen und betrachtet den theologischen Konsens (iǧmāʿ) der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ im Grunde als einzig zulässige Rechtsschule. Sie folgen damit in ihrer Auslegung des Islam dem Koran, der Sunna und dem iǧmāʿ der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ. Dennoch bleibt theologisch eine große Nähe zu den Hanbaliten. Viele Proprien der anderen sunnitischen Rechtsschulen werden abgelehnt.

Es ist umstritten, ob die Wahhābīya zur Salafiyya zu rechnen ist oder umgekehrt die Salafiyya aus der Wahhābīya hervorgegangen ist. Manche Wahhabi bezeichnen sich selbst als Salafi. Es handelt sich um zwar ähnliche, aber nicht identische Bewegungen.

Die Salafiyya ist von ihrer Entstehung her grundsätzlich nicht zum so genannten Islamismus zu rechnen. Auch die Muslimbruderschaft (und die Hamas) gehört nicht zur Salafiyya.

Innerhalb der Salafiyya gibt es recht viele zum Teil sehr unterschiedliche Strömungen. Oft wird grob zwischen puritanischen, politischen und terroristischen Salafi unterschieden. Die puritanische Salafiyya ist die ursprüngliche Salafiyya; die beiden anderen Strömungen sind daraus hervorgegangen und stehen sowohl in Kontinuität als auch in Diskontinuität zur puritanischen Salafiyya (und speziell die terroristische Salafiyya gilt auch als Neo-Salafiyya).

Die Puritaner sind die größte Fraktion der Salafi und stehen den Wahhabi am nächsten. Sie wollen den Islam ausschließlich durch friedliche Mission (da'wa) verbreiten, vor allem durch ihr gutes Vorbild. Gewalt ist nur zur Verteidigung des Islam legitim.

Die politische Salafiyya möchte den Islam in Staat und Politik verankern. Ihr Ziel ist ein Staat nach dem Vorbild, das der Prophet Muhammad und die as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ den Muslimen aller Zeiten gegeben haben, jedoch wollen sie dieses Ziel ohne Gewalt oder Umsturz erreichen, allein durch politische Arbeit und dadurch, dass sie möglichst viele Menschen für den Islam gewinnen. Sie nutzen die demokratischen Wege, lehnen jedoch die Demokratie als Staatsform ab. Sie dürfte jedoch nur abgeschafft werden, wenn die Bevölkerung dies wünscht, um sie durch eine islamische Staatsform zu ersetzen. Ihre Missionsarbeit kopiert häufig evangelikale Missionsstrategien, setzt aber auch auf die Vorbildfunktion.

Die terroristische Salafiyya (manche nennen sie m.E. unzutreffend auch die dschihadistische Salafiyya) ist die kleinste der drei Strömungen - verbreitet aber den größten Schrecken. Eigentlich sollte man sie nicht als Salafiyya bezeichnen und auch nicht der Salafiyya zuordnen.

Die Grenzen zwischen puritanischen, politischen und terroristischen Salafi sind durchlässig. Manchmal wirken puritanische oder politische Prediger ungewollt als „Durchlauferhitzer” für leicht beeinflussbare Muslime, die sich schließlich dem Terrorismus zuwenden. Für terroristische Salafi finden auch den Weg in die politischen oder puritanische Salafiyya, weil die Gewalt sie abstößt. Andere puritanische oder politische Salafi bewegen sich zwar im Umfeld der terroristischen Salafi, sind auch bewaffnet, wollen ihre Waffen aber nur zur Selbstverteidigung anwenden. Sie wollen in Kriegsgebieten beispielsweise Verletzten helfen oder mithelfen, zerstörte Dörfer wieder aufzubauen.

Die Salafiyya ist alles andere als ein monolithischer Block. Die große Mehrheit betrachtet den terroristischen Flügel und hier vor allem den fälschlich so genannten „Islamischen Staat” in Syrien und dem Irak (und seinen Ablegern z.B. in Ägypten und Gaza) mit Ablehnung. Er habe den Islam mit Blut befleckt und sich vom Vorbild der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ abgewandt.

In Deutschland gelten die puritanische und mit einigen Abstrichen auch die politische Salafiyya als vereinbar mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung - nicht jedoch die terroristische Salafiyya. Dennoch werden auch die puritanische und die politische Salafiyya kritisch betrachtet, weil immer wieder Salafi aus diesen Strömungen Terroristen werden. Zugleich führt die gesellschaftliche Ablehnung der Salafi (etwa wegen des Niqāb der Frauen oder der ebenfalls traditionellen Kleidung der Männer) immer wieder zu Radikalisierungen. Anwerber der terroristischen Salafiyya versuchen die Muslime für ihren Kampf zu gewinnen und haben immer wieder Erfolg damit.

Der Niqāb gilt den Salafi zugleich als Sunna (empfehlenswert) sowie meist auch als Farḍ (Pflicht), da häufig ein dauernder Zustand der Fitna angenommen wird. Manche Salafi nehmen an, dass dieser Zustand erst endet, wenn alle Menschen dem Vorbild der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ folgen. Andere glauben, dass Muslima zu allen Zeiten gemäß dem Beispiel der Frauen der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ den Niqāb tragen sollten. Die Frauen der Salafi tragen häufig nicht nur den Niqāb (oft auch mit bedeckten Augen), sondern auch Handschuhe.

Nicht alle Frauen, die Niqāb tragen, sind auch Salafi - Niqābi finden sich auch in den vier traditionellen Rechtsschulen des sunnitischen Islam.

Innerhalb der Salafiyya gibt es durchaus auch feministische Frauen - gerade innerhalb der puritanischen Salafiyya. Sie orientieren sich an den Frauen der as-Salaf aṣ-Ṣāliḥ, vor allem an den Frauen des Propheten Muhammad. Sie heben die starken Seiten dieser Frauen hervor und ihren Einfluss auf die frühen Muslime. Sie fordern, dass zu theologischen Debatten auch Salafi-Frauen zugelassen sein müssen. Nicht das Geschlecht, sondern die Bildung solle berücksichtigt werden.

Bei Frauen, die zum Islam konvertieren, ist die Salafiyya recht beliebt - und auch innerhalb des Islam wenden sich immer wieder Frauen der Salafiyya zu.

Aus evangelikaler Sicht muss ich sagen, dass es gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Salafiyya und der evangelikalen Bewegung gibt. Was die Evangelikalen im Protestantismus sind, das sind die Salafi im sunnitischen Islam.

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