Nonverbale Kommunikation

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Nonverbale Kommunikation

Die nonverbale Kommunikation (hier sind in erster Linie Sprache und Körpersprache zu nennen) ergänzt die verbale Kommunikation (vor allem Laut-, Gebärden- und Schreibsprache) und tritt in manchen Fällen sogar an ihre Stelle.

Ihre größte Bedeutung liegt darin, dass sie in bestimmten Situationen unterstreicht, was wir mit unserer Sprache ausdrücken.

Ihr Anteil an der menschlichen Kommunikation kann nicht in Prozentzahlen ausgedrückt werden, sondern ist je und je von den Umständen abhängig.

Zur nonverbalen Kommunikation zählen unter anderem:

  • Stimme (Tonfall, Lautstärke usw.)
  • nichtsprachliche Lautäußerungen (Lachen, Stöhnen, Seufzen, Hüsteln usw.)
  • Körperhaltung
  • Bewegungen
  • Gestik
  • Mimik
  • Blickkontakt
  • Wohnungseinrichtung
  • Wohnort
  • körperliche Merkmale (Gewicht, Hautfarbe, Haarfarbe, Zustand der Fingernägel usw.)
  • Bekleidung (einschließlich Schleier)
  • Anhaftungen an der Kleidung oder am Körper
  • Make-up, Schmuck, Tätowierungen
  • Berührungen und Haptik
  • interpersonelle Distanz
  • interpersonelles Verhalten (Höflichkeit usw.)
  • Gerüche
  • Schwitzen oder Schweißausbrüche
  • Veränderungen der Pupille oder der Blickrichtung
  • Mikroexpressionen
  • Erröten
  • Schriftbild (sowie verwendetes Schreibmaterial)

Diese Liste lässt sich nahezu endlos fortsetzen.

Gerade im Bereich der nonverbalen Kommunikation gilt: Menschen kommunizieren nicht nicht. Wenn unsere Stimme nicht spricht, so doch unser Körper, unser Gesicht, die Wahl unseres Wohnortes, die Einrichtung unserer Wohnung, unsere Kleidung.

All das wird stark beeinflusst von unserer Kultur. Nehmen wir etwa die Mimik: Europäer achten auf das ganze Gesicht, vor allem aber auf den Mund- und Kinnbereich. Ostasiaten hingegen konzentrieren sich auf die Augen. Man spricht darum von einer Mimik-Barriere. Kulturelle Unterschiede sind überhaupt sehr mächtige Barrieren für die Kommunikation. Weitaus mächtiger als ein Nikab, den eine Frau nicht einmal ständig trägt, sondern nur in Gegenwart fremder Männer.

Grundsätzlich gilt: Ohne verbale Kommunikation, also Laut-, Gebärden- oder Schriftsprache, geht gar nichts. Wenn wir uns einen Film in einer uns nicht bekannten Sprache ansehen, hilft uns die ganze nonverbale Kommunikation der Schauspieler, ihre Mimik, ihre Gestik, ihre Körperhaltung, selbst die Blicke, die sie den Zuschauen zuwerfen, nicht dabei, der Handlung des Films zu folgen. Auch Stummfilme waren nur durch zusätzliche Hilfen, etwa eingeblendete Texte, für die Zuschauer verständlich.

Menschen, die blind sind, Gesichter nicht erkennen können (Prosopagnosie) oder Mimik nicht zu lesen und/oder auszudrücken vermögen, sind dennoch in der Lage, sehr erfolgreich zu kommunizieren, auch wenn für sie bildlich gesprochen jeder Mensch einen Gesichtsschleier trägt (oder gar komplett unsichtbar ist).

In vielen Fällen, vor allem im Alltag, reicht die verbale Kommunikation aus, um alle nötigen Informationen zu übermitteln. Darum können wir am Telefon, im Brief- oder Mail-Verkehr, in Web-Konferenzen usw. auch wichtige Themen erörtern. Darum können wir einer Radiosendung zuhören, eine Dokumentation im Fernsehen verfolgen, deren Sprecher nicht auf dem Bildschirm zu sehen ist.

Die nonverbale Kommunikation ist überaus hilfreich, das steht außer Frage. 

Und weil sie auf vielen Kanälen erfolgt, längst nicht nur über das Gesicht, wird sie auch durch den Gesichtsschleier einer muslimischen Frau nicht vollständig verdeckt. Selbst ihre Kleidung ist nonverbale Kommunikation. Was wir nicht sehen, sind die Mimik oder ein etwaiges Erröten.

Im direkten Gespräch verwenden wir die nonverbale Kommunikation häufig zielgerichtet, um:

  • klarzustellen, dass eine verbale Äußerung nicht wörtlich gemeint ist, sondern z.B. sarkastisch, ironisch
  • klarzustellen, dass eine verbale Äußerung ein Zitat darstellt und in welchem Masse wir dem zustimmen
  • bewusst nonverbal auf eine nonverbale oder verbale Äußerung zu reagieren
  • anzudeuten, dass eine verbale Äußerung nicht möglich ist bzw. unterbleiben sollte

Da wir das bewusst tun, achten wir natürlich darauf, dass unser Gegenüber uns versteht.

Eine Frau, die Nikab trägt, wird also nicht ihren Mund verziehen oder die Stirn kräuseln, weil das niemand sehen würde. Sie wird einen anderen Kommunikationskanal wählen.


Was wir bei dem Thema „Nikab und nonverbale Kommunikation” leicht vergessen: Die Frau mit dem Nikab kennt sehr wohl auch unsere Situation.

In der Öffentlichkeit trifft sie immer wieder andere Frauen mit Gesichtsschleier, mit denen sie kommuniziert, ohne deren Mimik sehen zu können. Es ist nicht dieses schwarzweiß gedachte „wir - sie”, dass „uns” nur auf der einen und „sie” nur auf der anderen Seite des Schleiers sieht, eine Barriere, bei der die jeweiligen Aufstellungen an der Frontlinie klar wären. Auch sie kennt die Kommunikation mit dem Blick in ein verschleiertes Gesicht. Sie kennt beide Seiten. 

Kleidung, das sei zum Abschluss unserer Beschäftigung mit der nonverbalen Kommunikation noch angemerkt, gehört selbst zur nonverbalen Kommunikation. Das gilt freilich auch für den Nikab einer muslimischen Frau. Ihn ihr zu verbieten schränkt Kommunikation ein. Dies um so mehr, falls sie aufgrund eines Verbots ihre vier Wände nicht mehr verlässt, den öffentlichen Raum nicht länger aufsucht.

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