Kopftuch

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Term Definition
Kopftuch

Eine Kopfbedeckung, die in vielen verschiedenen Formen verbreitet ist - wobei jedoch diese Bezeichnung im Hinblick auf muslimische Frauen sachlich korrekt, aber doch eher irreführend ist.

Im Arabischen „Tarha”, im Türkischen „Başörtüsü” oder „Esarp”.

Häufig auch als Hidschāb bezeichnet, wobei die Kopfbedeckung gleich welcher Art ursprünglich nur einen Teil des Hidschāb darstellt.

Wer „Kopftuch” sagt, muss eigentlich näher ausführen, was er meint:

  • Das „abendländische” Kopftuch, das die Haare zwar bedeckt, aber nicht vollständig verdeckt und ebenso Kinn, Stirn und Wangen unbedeckt lässt:
  • Das Kopftuch als modisches Accessoire bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts
  • Das Kopftuch als Schutz vor Witterungseinflüssen und Dreck bei Haus- und Feldarbeit oder einfach zum Schutz der Haarpracht (die früher viel aufwendiger zu pflegen war als heute)
  • Das „ehrbare” Kopftuch, das früher einmal freie, verheiratete Frauen trugen:
  • Das Kopftuch katholischer und orthodoxer Nonnen (das diese unverheirateten Frauen einst den ehrbaren verheirateten Frauen gleichstellte - vergleichbar dem späteren Häubchen evangelischer Diakonissen)
  • Das Kopftuch frommer Kirchgängerinnen und Teilnehmerinnen an kirchlichen Veranstaltungen und Prozessionen
  • Das Kopftuch aus 1. Korinther 11,3-16 (das in unserem Bewusstsein irrtümlich, aber untrennbar mit der Unterordnung der Frau unter ihren Mann verbunden ist)
  • Das Kopftuch frommer Christinnen, die gemäß einer vermeintlich „bibeltreuen” Auslegung eben dieser Bibelstelle Kopftuch tragen und sich unterordnen (meist nur im Gottesdienst)
  • Das Kopftuch (arab. Tarha, türk. Başörtüsü oder Esarp) gläubiger Muslimas als Teil ihres Hidschāb, das eigentlich mit all dem Vorgenannten nichts zu tun hat

Es verkompliziert die Sache mehr als nur ein wenig, dass im Westen, aber auch unter Muslimen der Begriff Hidschāb (der ursprünglich die Summe der islamischen Bekleidungs- und Verhaltensvorschriften für Frauen in der Öffentlichkeit bzw. in Anwesenheit fremder Männer meint) zunehmend das Kopftuch bezeichnet.

Wer im Hinblick auf die Kopfbedeckung muslimischer Frauen von einem „Kopftuch” spricht, bringt die ganzen uns aus Geschichte und Gegenwart vertrauten Deutungen mit ein - obwohl es völlig unberechtigt ist. Es ist weder ein modisches Accessoire noch ein Schutz vor Wind, Regen und Staub noch Zeichen der Ehrbarkeit eheloser Nonnen noch lediglich für den Gottesdienstbesuch vorgesehen noch ein Zeichen für die Unterordnung der Frau unter ihren Mann.

Tatsächlich hatte das Christentum auch einmal so etwas wie das Kopftuch islamischer Frauen und ihren Hidschāb - doch das ist lange her. Nur wenige Christinnen tragen noch ein Kopftuch in der Art, wie es Muslimas heute tun (etwas anders sieht es freilich in einigen anderen Ländern aus, in denen die Christinnen durchaus noch ein Kopftuch eher in der Art und Weise tragen, die dem Kopftuch muslimischer Frauen entspricht).

Um dem Kopftuch muslimischer Mädchen und Frauen gerecht zu werden, müssen wir unsere eigenen Vorstellungen über das Kopftuch über Bord werfen.

Das ist freilich nur die eine Hälfte des Weges - die andere besteht darin, den Muslimas zuzuhören, wenn sie uns von ihrem Kopftuch bzw. ihrem Hidschāb erzählen (was uns Christen wieder einen neuen Blick auf die christliche Sitte des Kopftuches öffnen kann, denn es sind die gleichen Wurzeln).

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