Geschlechtertrennung

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Term Definition
Geschlechtertrennung

Grundsätzlich darf eine Frau (außer mit anderen Frauen) nur mit ihrem Ehemann oder aber einem Mahram zusammen sein, einem Verwandten, mit dem sie die Ehe nicht eingehen darf.

Zwischen einer Frau und allen Männern, die nicht ihr Ehemann oder ein Mahram sind, herrscht strikte Geschlechtertrennung.

Sie spielt im Islam eine große Rolle und bedeutet zumeist, dass:

  • Ein freies Zusammenleben von Frauen und Männern verboten ist,
  • Frauen vor Männern ihren Körper mit Ausnahme des Gesichts und der Hände verbergen (Hidschāb),
  • Frauen zu Zeiten oder an Orten der Fitna oder wenn sie begehrliche Blicke fürchten darüber hinaus ihr Gesicht (Niqāb) und ihre Hände verbergen,
  • Frauen in Anwesenheit von Männern nur mit eher leiser, nicht verführerischer Stimme sprechen und nicht laut lachen,
  • Frauen und Männer einander nicht berühren, einander auch nicht die Hand geben,
  • Frauen und Männer keinen Blickkontakt eingehen,
  • Frauen und Männer nicht allein zusammen sind,
  • Männer die Frauen nicht anblicken, sondern den Blick senken und
  • Männer eine Frau nicht nötigen, ihren Hidschāb oder Niqāb abzulegen
  • Frauen ihren Ehemännern nicht erzählen, wie eine Frau unter ihrem Niqāb aussieht

Um zu verstehen, was die hier genannten Verbote bedeuten, wie wichtig sie für sehr religiöse Muslime sind, hilft vielleicht ein Vergleich: Sie stehen auf einer Ebene mit dem Verbot, Alkohol oder Schweinefleisch zu konsumieren.

Grundsätzlich trennen diese Regeln Männer und Frauen ohne Unterschied der Religion. Ein muslimischer Mann soll eine nichtmuslimische Frau ebenso behandeln, wie er auch eine muslimische Frau behandeln würde. Wenn also ein muslimischer Mann einer nichtmuslimischen Frau nicht die Hand gibt, dann wird er auch einer muslimischen Frau nicht die Hand geben.

Ein sehr religiöser Muslim wird diese Regeln genauestens befolgen. Er wird also einer Frau nicht die Hand geben, weil es ihm verboten ist - das hat nichts mit mangelhafter Gleichberechtigung oder mangelndem Respekt vor Frauen zu tun. Im Gegenteil: Aus Sicht eines sehr gläubigen Muslim ist es ein Zeichen des Respekts gegenüber einer Frau, wenn er ihr nicht die Hand gibt. Es wäre sogar respektlos von ihm, wenn er es dennoch täte. Er würde sie damit nicht als freie, ehrbare Frau akzeptieren.

Die Geschlechtertrennung bedeutet aus Sicht der meisten Muslime nicht, dass Männer und Frauen niemals zusammenkommen (es gibt allerdings Frauen, die in Purdah leben, die niemals mit einem fremden Mann zusammenkommen, es sei denn wegen eines Arztbesuches o.ä., wenn es also absolut notwendig ist).

Es sollte nach Überzeugung vieler Muslime jedoch stets zumindest der Ehemann oder ein Mahram der Frau anwesend sein, wenn sie mit Männern zusammenkommt.

Andere Muslime vermeiden nur, dass eine Frau mit einem oder mehreren Männern allein ist. So ist es für viele sehr religiöse Muslima kein Problem, mit Männern und Frauen zusammen in einem großen Büro zu arbeiten.

Ist sie mit Männern zusammen, darf sie ihren Hidschāb bzw. Niqāb nicht abnehmen, wenn aus religiöser Sicht keine Notwendigkeit hierzu besteht. Wenn eine muslimische Frau ihren Hidschāb oder Niqāb vor Männern nicht ablegt, dann folgt sie damit einer religiösen Pflicht (Farḍ). Zugleich würde sie sich selbst durch das Ablegen von Hidschāb oder Niqāb vor einem fremden Mann auf die Stufe einer unfreien bzw. nicht ehrbaren Frau begeben, also vereinfacht ausgedrückt: Einer Sklavin oder einer Prostituierten. Sie würde damit auch den Mann in eine schwierige Lage bringen. Es wäre ihm gegenüber respektlos.

Übrigens: Frauen gegenüber - auch solchen, die keine Muslimas sind -, darf sie nach Meinung der meisten Gelehrten Hidschāb oder Niqāb ablegen. Eine Ausnahme wäre, und das hat wieder mit der Geschlechtertrennung zu tun, wenn sie fürchtet, dass eine Frau anderen Männern (etwa ihrem eigenen Ehemann) gegenüber Anmerkungen über das Aussehen der Frau macht. Wenn also Frauen sich einmal schwer tun, vor einer nichtmuslimischen Frau den Schleier abzulegen, dann hat das häufig hiermit zu tun.

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