Es gibt weder in Deutschland noch in Europa irgend eine Stelle, bei der die Anzahl der Niqābi erfasst würde, und somit gibt es nur Schätzungen.

Die derzeit im Umlauf befindlichen Schätzungen sind höchst unterschiedlich - für Deutschland etwa liegen die niedrigsten Schätzungen bei 300 Niqābi, viele kommen auf ca. 1.000 Niqābi, ich komme dagegen auf 4.000 - 6.500 Niqābi.

Weiter unten erfahren Sie, wie ich zu meinen Schätzungen gelange, damit Sie meine Zahlen einordnen können.

Belgien: 500 - 1000; von ihnen sollen zwischen 33 und 50 % zum Islam konvertierte Belgierinnen sein

Bulgarien: Obwohl es in Bulgarien seit 2016 ein Burkaverbot gibt, ist die Anzahl der Niqābi in dem Land sehr gering; Schätzungen gehen von höchstens 100 Frauen aus.

Dänemark: 250 - 500; von ihnen sollen zwischen 33 und 50 % zum Islam konvertierte Däninnen sein

Deutschland: 4.000 - 6.500, möglicherweise mehr. 6.500 Frauen entsprechen übrigens 0,0125 % aller Mädchen ab 14 Jahren und Frauen im Land (eine von 8.000).

Mindestens ein Drittel von ihnen sind zum Islam konvertierte deutsche Frauen. Mindestens ein weiteres Drittel sind gebürtige Muslimas, deren Mütter aber keinen Niqāb getragen haben, sondern allenfalls Hidschāb. Wohl nicht einmal jede dritte von ihnen stammt aus Familien, in denen der Niqāb traditionell getragen wird.

Grobe Schätzungen für einzelne Bundesländer:

Schleswig-Holstein: 170 - 250
Hamburg: 400 - 600
Berlin: 400 - 700
Niedersachsen: 170 - 300
Bremen: 230 - 400
Hessen: 540 - 800
Nordrhein-Westfalen: 1.200 - 2.500
Rheinland-Pfalz: 40 - 80
Baden-Württemberg: 300 - 500
Bayern: 300 - 500

Für die anderen Bundesländer sind keine Schätzungen möglich, die Zahlen liegen höchstwahrscheinlich unter den oben genannten.

Die Schätzung für Rheinland-Pfalz ist mit sehr großer Unsicherheit behaftet (das Integrations- und Frauenministerium des Landes schätzt zwischen 20 und 40 Frauen; eine andere Schätzung geht hingegen von 150 - 250 Frauen aus). Ich hätte dieses Land nicht näher untersucht und dann hier aufgeführt, würde dort nicht Julia Klöckner von der CDU ihre Heimat haben.

Frankreich: 4.000 - 8.000; hier geht man davon aus, dass mindestens jede dritte von ihnen eine zum Islam konvertierte Französin ist. Der Polizei im Jahre 2016 bekannt sind rund 600 Frauen, die trotz Burkaverbotes in der Öffentlichkeit verschleiert sind - etwa jede dritte von ihnen eine zum Islam konvertierte Französin.

Großbritannien (Vereinigtes Königreich): 2.000 - 4.000

Italien: 1.200 - 3.000

Luxemburg: 50-150

Niederlande: 1.000 - 2.200

Österreich: 400 - 900

Portugal: 25 - 100

Russland: Keine Schätzung möglich

Schweden: 300 - 650

Schweiz: 400 - 850

Spanien: 250 - 500

Türkei: Keine Schätzung möglich

Hinweis: Ich versuche, die Schätzungen so genau wie möglich zu halten. Oft erhalte ich neue Informationen, die dann zu besseren Schätzungen führen können. Es lohnt sich also, diese Seite regelmäßig zu besuchen, um neue Schätzungen zu erfahren.

Wie komme ich zu meinen Zahlen?

Ich beschäftige mich jetzt seit mehr als 15 Jahren mit diesem Thema und bin überzeugt, dass meine Schätzungen fundiert sind.

Es bleiben jedoch Schätzwerte, die auf verschiedenen Beobachtungen, Medienberichten, Umfragen und Erkundigungen beruhen.

Eine Gegenprobe mache ich zum einen mit der Zahl der Hidschāb tragenden Frauen (von denen ein gewisser Anteil von 2 - 10 % erfahrungsgemäß Niqāb trägt) und zum anderen mit der Zahl der Frauen, die zur Salafiyya gezählt werden können (von denen ein gewisser Anteil erfahrungsgemäß Niqāb trägt, wobei nicht alle Niqābi zur Salafiyya gezählt werden können). Als Faustregel gilt, dass auf jede Frau der Salafiyya eine Niqābi kommen sollte - plus/minus 10 %.

Es ist so, dass nicht jede Niqābi ihren Schleier dauerhaft trägt - manche tragen ihn nur zu bestimmten Gelegenheiten, außerhalb von Unterricht oder Arbeit, wenn ihnen gerade danach ist, während bestimmter muslimischer Feiertage, beim Besuch der Moschee usw.

Dann gibt es wiederum Frauen, die gerne Niqāb tragen würden, dies aber aus verschiedenen Gründen noch nicht, jetzt nicht oder nicht mehr tun.

Wann ist eine muslimische Frau also eine Niqābi?

Ich zähle unter die Niqābi jene Frauen, die Niqāb regelmäßig tragen (praktizierende Niqābi) und auch jene Frauen, die Niqāb für religiös geboten halten (sei es Sunna bzw. Mustaḥabb oder Farḍ), auch wenn sie derzeit nicht oder nur zeitweise praktizieren oder das Haus nicht regelmäßig oder gar nicht verlassen.

Ich zähle also die „Mitglieder in der Niqābi-Gemeinschaft”. Gerade dadurch komme ich zu recht hohen Schätzwerten. Das sind halt die Frauen, die von einem Burkaverbot de jure betroffen wären. Die Zahl der de facto betroffenen, weil praktizierenden Frauen ist geringer (müsste ich schätzen, würde ich etwa für Deutschland vorsichtig schätzen, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der Niqābi praktizierend ist, ein gutes Zehntel (bis 15 %) „streng” praktizierend (Niqāb als Farḍ) - diese erkennt man häufig daran, dass sie auch Handschuhe tragen).

Zu bedenken ist auch, dass es verschiedene Formen des Niqāb gibt - manche lassen sich recht einfach von einem einfachen Hidschāb in ein Niqāb verwandeln. Wann also ist ein Niqāb ein Niqāb und wann nur ein Hidschāb?

Ich zähle unter die Niqābi jene Frauen, die über den Hidschāb hinaus von ihrem Gesicht auch Mund und Nase bedecken (Halbgesichtsschleier) oder die ihr Gesicht einschließlich der Augen vollständig bedecken (Vollgesichtsschleier).

Ich zähle also unter die Niqābi auch jene Frauen, die Chadri oder einen anderen Gesichtsschleier tragen.

Ich zähle unter die Niqābi nicht jene Frauen, die eine westliche Form des Gesichtsschleiers tragen (z.B. Brautschleier, Trauerschleier) oder die sich mit einem Niqāb verkleiden oder eine andere Form der Gesichtsbedeckung (Schutzmaske u.ä.) tragen oder sich vor der Witterung schützen.

Gäbe es eine nennenswerte Anzahl nichtmuslimischer Frauen, die Niqāb tragen, würde ich auch sie in meine Schätzung aufnehmen - das ist aber derzeit wohl nicht der Fall.

Darüber hinaus gibt es noch die verschleierten Touristinnen aus arabischen Ländern sowie jene Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen oder als Begleitung eines Familienangehörigen aus einem arabischen Land nach Europa gekommen sind. Allein in Deutschland dürften das in jedem Jahr einige Hundert Frauen sein.

Ich zähle unter die Niqābi auch jene Frauen, die nur vorübergehend in dem Land sind (Touristinnen, Krankenhausaufenthalte usw.).

Aktuell tragen zudem einige der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak oder einem anderen Land Niqāb - einige von ihnen sind hier nur vorübergehend, andere werden auf Dauer in dem Land bleiben. Einige legen den Schleier ab, andere legen ihn nach einer gewissen Zeit wieder an.

Ich zähle unter die Niqābi auch jene Frauen, die als Geflüchtete nach Europa bzw. Deutschland gekommen sind.

Durch meine Zählweise komme ich schließlich auf höhere Schätzwerte (für Deutschland bis zu 6.500) als andere, die sich bei ihren Schätzungen eher auf Sichtungen verlassen und diese hochschätzen (für Deutschland 300 bis 2.000).

Es gibt also keine hieb- und stichfeste Zahl. Es handelt sich um Schätzwerte.

Alle Zahlen, die hier oder anderswo genannt werden, sind mit einiger Vorsicht zu genießen und nur mit Zurückhaltung zu verwenden.