Schätzungen zufolge ist hierzulande jede dritte Niqābi eine zum Islam konvertierte Deutsche. Sie haben sich nach ihrer Konversion früher oder später entschieden, den Niqāb zu tragen.

Ein weiteres Drittel der Niqābi hat zwar einen familiären Hintergrund im Islam, doch gehörte der Niqāb traditionell nicht dazu. Manche haben vorher schon Hidschāb getragen, andere nicht. Im Verlauf einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Thema haben sie sich für den Niqāb entschieden.

Das letzte Drittel, so schätzt man, kommt aus einer Familie mit einer Tradition des Niqāb. Wohl nur eine Minderheit von ihnen wurde dabei von den Eltern oder vom Ehemann gedrängt oder sogar gezwungen, den Niqāb anzulegen. Die meisten tragen den Schleier trotz der vorhandenen familiären Tradition aus eigener religiöser Überzeugung.

Nicht selten müssen die Niqābi sich mit ihrem Wunsch, den Schleier zu tragen, gegen ihre Eltern oder Ehemänner durchsetzen. Es gibt nicht Fälle von erzwungener Verschleierung - ebenso werden immer wieder Mädchen und Frauen genötigt, auf den Schleier zu verzichten.

Es gibt natürlich keine exakten Zahlen, aber Schätzungen zufolge haben sich bis zu 80 % der Niqābi bewusst für den Schleier entschieden. Bis zu 95 % tragen ihn freiwillig und ohne dazu genötigt oder gezwungen worden zu sein.Dazu kommt noch eine gewisse Zahl von Muslimas, die den Niqāb gerne tragen würden - aber von Eltern oder Ehemännern daran gehindert werden.

Einige Mädchen und Frauen werden also genötigt oder sogar gezwungen, den Schleier zu tragen. Manche von ihnen wollen zwar von sich aus den Schleier tragen - aber beispielsweise nicht schon so früh, wie es die Eltern gerne wollen, oder nicht so umfassend, wie es der Ehemann gerne hätte. Manche Mädchen sagen: Ich will ja Schleier tragen, aber erst, wenn ich verheiratet bin. Aber die Eltern üben halt so lange Druck aus, bis die Mädchen ihn dann doch schon vorher anlegen. Andere Frauen sagen: Ich will ja Schleier tragen, aber ich möchte nur einen einlagigen Schleier tragen, der meine Augen unbedeckt lässt. Aber der Ehemann übt halt so lange Druck aus, bis seine Frau in der Öffentlichkeit auch ihre Augen bedeckt und Handschuhe anlegt.

Weil viele der Frauen, die hierzulande Niqāb tragen, zum Islam konvertierte Deutsche oder in Deutschland aufgewachsene Muslimas sind, sprechen viele von ihnen natürlich auch gut deutsch. Wenigstens die Hälfte, so kann man annehmen, besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Der Niqāb gehört zum „deutschen Islam”.