Verschleierung - da denken wir heute zuerst und vor allem an Muslimas, an Kopftuch und Burka, an Hidschāb und Niqāb. Vielleicht fallen uns noch die Nonnen ein. Oder wir denken an „früher”, als Christinnen beim Gottesdienstbesuch Kopftücher trugen.

Aber wer von uns weiß schon, dass die Verschleierung auch in der Bibel erwähnt wird? Im Ersten und im Zweiten Testament, also in der jüdisch-christlichen Bibel? Wer weiß schon, welche Frauen verschleiert waren? Und dass sogar ein Mann einen Schleier trug?

Der Schleier in der Bibel

Nehmen wir also die Bibel zur Hand und sehen uns die Bibeltexte an, in denen es um die Verschleierung geht.

Vorweg sei darauf hingewiesen, dass der Schleier als Frauenkleidung in der Umwelt der Bibel völlig selbstverständlich ist. Die Frauen der Bibel trugen die eine oder andere Form des Schleiers - immer die in ihrer jeweiligen Umwelt übliche Kleidung. Es gab also keinen typisch jüdischen oder typisch christlichen Schleier - Frauen trugen das, was Frauen eben so trugen im Orient bzw. in der hellenistischen Welt. Was so normal ist, wird natürlich nicht ständig erwähnt.

Die Frauen, die uns aus der Bibel vertraut sind, trugen allesamt Schleier - bis hin zur Mutter Jesu, die als galiläische Jüdin wie alle weiblichen Verwandten Jesu vermutlich sehr konservativ verschleiert war. Auch die Frauen mit jüdischem und heidnischem Hintergrund in den ersten frühchristlichen Gemeinden waren selbstverständlich nach den Sitten ihrer jeweiligen Heimat verschleiert.

Erwähnt werden in der Bibel:

  • Rebekka, die sich verschleiert, ehe sie erstmals ihrem Bräutigam Isaak begegnet (1. Mose 24,65)
  • Lea, die in der Hochzeitsnacht vermutlich wegen ihres Schleiers nicht von Jakob erkannt wird (1. Mose 29,20-25)
  • Tamar, die sich verschleiert, um nicht erkannt zu werden (1. Mose 38,14-19)
  • Mose, der sein glänzendes Angesicht bedeckt (2. Mose 34,29-35; vgl. mit anderer Erklärung 2. Korinther 3,13-16)
  • für Aschera bestimmte Schleier (2. Könige 23,7; Schleier korrigiert nach LXX, MasT: Häuser)
  • die Braut im Hohelied (Hohelied 4,1; 4,3; 6,7; ihr Name war nach 7,1 vielleicht Sulamith)
  • die Frauen Jerusalems mit ihren schmückenden Schleiern (Jesaja 3,19.23) sowie die Frauen in Babylon (Jesaja 47,2)
  • die verschleierten Bräute (Jeremia 2,32; siehe auch Hesekiel 16,10)
  • die "Seelenfängerinnen", die magische Schleier verteilen (Hesekiel 13,18)
  • Susanna, die verschleiert vor Gericht erscheinen muss, wo sie entschleiert wird (deuterokanonisch; Daniel 13,30-33 bzw. ev. Stücke zu Daniel 1,30-33)
  • die Frauen in Korinth, die sich im Gottesdienst verschleiern sollen (1. Korinther 11,2-16).

Daneben wird noch, allerdings im übertragenen Sinn, Abrahams Frau Sara erwähnt (1. Mose 20,16).

Zurückhaltende Kleidung

Die Bibel fordert Frauen darüber hinaus auf, sich zurückhaltend zu kleiden:

  • Im Gottesdienst: 1. Timotheus 2,9-10 (vgl. 1. Korinther 11,2-16)
  • Frauen, deren Männer keine Christen sind: 1. Petrus 3,3-5

Auffällig ist, dass diese beiden Bibelstellen jeweils für besondere Situationen gelten und nicht für den Alltag.

An dieser Stelle sei auch noch Jesaja 3,16-24 erwähnt, auch wenn dort nicht zurückhaltende Kleidung gefordert wird. Es wird allerdings verurteilt, dass Frauen "stolz sind und gehen mit aufgerecktem Halse, mit lüsternen Augen, trippeln daher und tänzeln und haben kostbare Schuhe an ihren Füßen". Dabei ist aber der Stolz das eigentliche Problem, die Geltungssucht, nicht zuletzt auch, dass man auf Kosten der Armen wohl lebt (siehe auch Amos 4,1-3).

Moment mal!

Gut leben auf Kosten der Armen - halten wir doch an dieser Stelle einmal kurz inne und fragen uns, wie fair unsere eigene Kleidung produziert ist. Oder wurden die Näherinnen, die Baumwollpflücker usw. ausgebeutet, wurde die Umwelt ausgebeutet? Wir, die wir über Burka und Burkaverbote debattieren - wann werden wir uns endlich mit fair produzierter und fair gehandelter Kleidung befassen?

Gerade wenn wir uns die Botschaft der israelitischen Propheten ansehen, entdecken wir, welch große Rolle Gerechtigkeit in der biblischen Verkündigung spielt. Aber was tun wir, damit die Lebensbedingungen in der Textilkette besser werden?

In Deutschland tragen ein paar Zehntausend Frauen Schleier und ein paar Tausend Frauen Gesichtsschleier - aber Millionen Deutsche tragen unfair produzierte und gehandelte Kleidung.

Schauen wir uns nun einige Frauen der Bibel und ihre Schleier näher an und beginnen mit:

Rebekka (1. Mose 24,65)

Rebekka reist unverschleiert zu ihrem Bräutigam Isaak - und als sie ihn erblickt, legt sie ihren Schleier an. Die Verschleierung ist hier eher im Sinne eines Hochzeitsbrauches zu sehen. Der Bräutigam darf die Braut erst in der Hochzeitsnacht sehen.

Der Schleier (za'ip)  scheint ein Schal zu sein, den die Trägerin sich auch vor das Gesicht legen kann.

Mit dem gleichen hebräischen Begriff bezeichnet wird der Schleier der nächsten Frau:

Tamar (1. Mose 38,14-19)

Tamar ist eine Schwiegertochter Judas. Ihr erster Mann, Er, starb, ohne ihr einen Sohn zu schenken. Nun galt es die Verpflichtung zu erfüllen, dass ein Bruder des Verstorbenen an dessen Stelle tritt, um einen Sohn zu zeugen, damit die Linie nicht ausstirbt (vgl. 5. Mose 25,5-10). Daraufhin gab Juda ihr Onan, damit er ihr einen Sohn zeugt, doch auch Onan starb und hinterließ Tamar wiederum kinderlos. Der dritte Sohn Judas, Schela, war noch zu jung, und so sollte Tamar warten, bis er alt genug wäre - jedoch hatte Juda Angst, nach Er und Onan nun auch noch Schela zu verlieren. Also hielt er sein Versprechen nicht.

Darauf legte Tamar ihre Witwenkleidung ab, bedeckte sich mit einem Schleier und setzt ihre ganze Ehre und sogar ihr Leben aufs Spiel, damit ihr verstorbener Mann zu seinem Recht auf Nachkommenschaft kommt. Als Juda sie am Ortseingang verschleiert am Weg sitzen sieht, hält er sie für eine Prostituierte und zeugt ihr einen Sohn.

Tamar nutzt den Schleier, um nicht erkannt zu werden - unklar ist die Bedeutung des Schleiers im Hinblick auf Prostituierte. Im Grunde war es Prostituierten im Alten Orient weithin bei schwerer Strafe verboten, sich zu verschleiern. Dennoch deutet diese Bibelstelle darauf hin, dass Juda sie auch aufgrund des Schleiers, vor allem aber, weil sie an am Ortseingang am Wegesrand saß, als Prostituierte identifizierte.

Der Schleier ist nicht an und für sich „Erkennungszeichen der Dirne”, wie die Stuttgarter Erklärungsbibel annimmt. Das ist vielmehr, dass die Frau am Wegrand sitzt (vgl. Jeremia 3,2 und Hesekiel 16,25) und auf Freier wartet. Tamar riskiert nicht nur ihre Ehre (und ihr Leben; vgl. V. 24), sondern wegen der für Prostituierte wohl verbotenen Verschleierung eine Bestrafung.

Denn an und für sich war der Schleier im Alten Orient und auch im hebräischen Denken Zeichen von Ehre, Würde und Keuschheit. Schauen wir uns nun die nächste Frau an:

Susanna (deuterokanonisch; Daniel 13,30-33 bzw. ev. Stücke zu Daniel 1,30-33)

Susanna ist die Tochter frommer Eltern und Ehefrau eines reichen, angesehenen Mannes. Zwei boshafte Richter aber begehren sie und wollen sie schließlich unter Androhung von Verleumdung zum Sex zwingen. Susanna lässt sich auf die Erpressung nicht ein und wird darum fälschlich des Ehebruchs bezichtigt, was im Falle einer Verurteilung bedeutet, dass sie zu Tode gesteinigt würde.

Sie verschleiert sich, als sie vor Gericht erscheinen muss. Die boshaften Richter lassen ihr den Schleier wegreißen - für Susanna und ihre Familie eine Entehrung, zumal, so notiert es der Bibeltext, die boshaften Richter sich nur an ihrer Schönheit ergötzen wollen.

Gehen wir wieder ein wenig zurück, zu einer Frau, von der anzunehmen ist, dass sie sich verschleiert hat:

Lea (1. Mose 29,20-25)

Lea wird in der Hochzeitsnacht nicht von Jakob erkannt, der glaubt, er habe seine Braut Rahel vor sich, Leas jüngere Schwester. Das liegt sehr wahrscheinlich am Schleier, den Lea trägt, um sich als Braut auszugeben. Hier liegt also eine ähnliche Täuschung wie im Falle von Tamar und Juda vor.

Freiwilligkeit

Lea wurde von ihrem Vater Laban vermutlich überredet, sich zwecks Betrugs an Jakob zu verschleiern - aber sie spielt ihre Rolle freiwillig, trägt auch den Schleier freiwillig.

Das dürfte auch für Sulamith, wie die Braut im Hohelied möglicherweise hieß, gelten. Keine dieser Frauen wird gezwungen, sich zu verschleiern.

Rebekka, Lea und Sulamith zeigen damit ihren Status als Bräute an, Tamar und Lea täuschen jeweils über ihre Identität hinweg, Susanna zeigt hingegen mit dem Schleier ihren Status als ehrenwerte, keusche und würdevolle Tochter und Ehefrau an.

Auch die namenlosen Bräute in Jeremia 2,32 tragen ihren Schleier freiwillig. In Hesekiel 16,10 wird der (sinnbildliche) Schleier offensichtlich zum freiwilligen Tragen angeboten.

Das Erste Testament kennt keine religiöse Pflicht zur Verschleierung, dennoch wird die Verschleierung der Frau im Judentum später zur religiösen Pflicht, auf die ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen will, nur so viel: Der Babylonische Talmud fordert die vollständige Verschleierung der Frau, daraus wird später die Pflicht, Schleier oder Perücke zu tragen, zumindest aber ein Hut. Der heute in Israel von einigen jüdischen Frauen getragene, dem Niqāb ähnliche „Frumka” (eigentlich Šal) geht auf jahrhundertealte Traditionen zurück, wie sich anhand von Bildern nachweisen lässt, die bis zu 400 Jahre alt sein sollen.

Entschleierung ist, das sehen wir bei Susanna, eine Entehrung, eine Demütigung, eine Strafe - um so mehr, wenn dies geschieht, um sich an der Schönheit der Frau ergötzen zu können. Vom jüdisch-biblischen Denken her darf niemand gezwungen werden, sich zu entschleiern. Ein Burkaverbot kann nicht mit dieser biblischen Sichtweise vereinbart werden.

Paulus und der Schleier

Kommen wir nun zum Neuen Testament - hier befasst sich nur eine Bibelstelle mit dem Schleier. Paulus fordert von den Männern und Frauen in der römischen Kolonie Korinth, dass sie sich im Gottesdienst gemäß römischer Sitten kleiden: Die Männer kurzhaarig und mit unbedecktem Haupt (die Kopfbedeckung stand nur dem Mann zu, der einer römischen Kulthandlung vorstand, im christlichen Denken war dies Christus), die Frauen mit einem Schleier, der ihr langes Haar bedeckt (1. Korinther 11,2-16). Paulus fordert also, dass die Christen in der römischen Kolonie Korinth sich wie die Römer verhalten - wollen Christen sich an anderen Orten und zu anderen Zeiten daran halten, so gilt für sie, sich im Hinblick auf ihre Gottesdienste an ihrer jeweiligen Umwelt und ihren Sitten zu orientieren, wie sie bei Kulthandlungen gelten.

Vom neutestamentlichen Wortlaut her ist auch nach dieser Bibelstelle die Entschleierung der Frau eine Entehrung. Das gilt aber vor dem Hintergrund römischer Sitten. Es gilt aber ein für alle Mal: Es darf nicht zugelassen werden, dass Frauen entehrt werden. Eine Frau darf nicht zu einem Verhalten gezwungen werden, dass sie ihrer Ehre, ihrer Würde beraubt.

Wir stehen nun im Deutschland des 21. Jahrhunderts vor der Frage, was denn die Ehre, die Würde einer Frau ist, was sie denn ihrer Ehre, ihrer Würde beraubt. Müssen wir eher auf unsere Kultur schauen oder eher auf das Empfinden der jeweiligen Frau, auf ihre eigene Wahrnehmung. Verletzt die Verschleierung ihre Ehre, ihre Würde - oder wenn wir sie zur Entschleierung zwingen?

Paulus würde vermutlich nach dem Stellenwert der Verschleierung in ihrer Kultur fragen, aber wir leben eben in einer multikulturellen Gesellschaft. Welche Maßstäbe legen wir zugrunde? Nehmen wir Rücksicht auf die Kultur der Frau - oder wollen wir unsere Vorstellungen durchsetzen? Paulus würde viellkeicht sagen: Alles ist erlaubt, aber was dient denn zum Guten? Was baut auf? Sucht nicht das Eure, sondern was dem andern dient (siehe 1. Korinther 10,23.24). Seht zu, dass niemand zu einem Gefangenen wird (1. Korinther 6,12). Bekleidungsvorschriften nehmen gefangen - darum würde Paulus ein Burkaverbot wohl eher kritisch sehen.

Paulinisch ist wohl, wenn wir sagen: Alles ist erlaubt, aber alles muss zum Guten dienen, muss auferbauen, muss dem anderen dienen, darf niemanden zu einem Gefangenen machen.

Das verbietet pauschale Schleierpflicht und generelles Schleierverbot, es fordert aber alle auf, nach dem Nutzen aller zu suchen. Nicht was mir gefällt oder eben auch nicht gefällt ist Maßstab, sondern dass etwas zum Guten nützlich ist. Zum Guten aller. Niemand darf dabei zum Gefangenen werden - auch nicht die Minderheit zum Gefangenen einer Mehrheit, die ihre Vorstellungen durchsetzt.

In Korinth setzt Paulus die Verschleierung der Frauen im Gottesdienst durch, weil er wohl der Meinung ist, dass es zum Guten dient, der Gemeinde zur Auferbauung dient, für die anderen gut ist. Der Schleier darf aber niemanden zum Gefangenen machen, darum gibt es auch keine generelle Verschleierungspflicht.

Wo ein Burkaverbot nachweislich zum Guten dient, wo es nachweislich auferbaut, wo es nachweislich dem anderen dient und wo es niemanden zu einem Gefangenen macht, da kann es angebracht sein.

Aber wo es nur dazu dient, meine Maßstäbe durchzusetzen, die meiner Kultur, wo es nur dazu dient, meine Kultur hervorzuheben und eine andere zu erniedrigen, wo es nur meinen Interessen dient und die einer Minderheit unterdrückt, wo es andere zu Gefangenen macht, da ist es nicht angebracht.

Fazit

In der Bibel ist die Verschleierung selbstverständlich - und der Schleier gilt der Frau als Zeichen der Ehre, der Würde, der Keuschheit. Und die Entschleierung der Frau ist Strafe, ist Entehrung.

Die Bibel nimmt die Verschleierung der Frau als selbstverständlich an - und betrachtet ihre Entschleierung als Strafe, als entehrend und entwürdigend.

Von Paulus lernen wir, bei anstehenden Entscheidungen zu fragen, ob diese Sache zum Guten dient, ob sie auferbaut, ob sie anderen dienlich ist, ob sie Menschen befreit oder zu Gefangenen macht. Dabei ist immer der Andere im Blick, die Gemeinschaft, das Miteinander.

Exkurs: Althebräische und neutestamentlich-griechische Begriffe für die Verschleierung

In 1. Mose 24,65; 38,14.19 steht für „Schleier” hebr. „za'ip” (Gesichtsschleier). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 6956.

In 1. Mose 24,65; 38,14.15 steht für sich „bedecken” hebr. „kasah” (verhüllen, bedecken, zudecken, verbergen). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 3750.

In 1. Mose 38,14 steht für „verhüllen” hebr. „'alap” (sich verhüllen, bedeckt sein, auch: verschmachten, ohnmächtig hinsinken). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 6088.

In 1. Mose 38,19 steht für „ablegen” hebr. „sur” (hier: etwas wegschaffen, beseitigen, entfernen). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 5588.

In 2. Mose 34,32-35 steht für „Decke” hebr. „maswäh” (Decke, Schleier). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 4610. - In 2. Korinther 3,13-16, wo Paulus sich auf diese Stelle bezieht, steht für „Decke” (wie in der Septuaginta) grie. „kalymma” (Decke). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel NT Nr. 2542.

In Hohelied 4,1.3; 6,7; Jesaja 47,2 steht für „Schleier” hebr. „zammah” (Schleier). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 6923.

In Hohelied 5,7; Jesaja 3,23 steht für „Schleier” hebr. „redid” (großer, weiter Schleier zum Überwerfen, für Frauen). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 7462.

In Jesaja 3,19 steht für „Schleier” hebr. „re'alah” (Schleier, von ra'al: schwingen). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel AT Nr. 7655.

In 1. Korinther 11,6 steht für „verhüllt” grie. „katakalypto” (verhüllen, bedecken). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel NT Nr. 2594.

In 1. Korinther 11,10 steht für „Macht haben auf dem Haupt” grie. „exousian epi echein tes kephales” (Vollmacht auf dem/über das Haupt haben”). „Exousia epi” wird im NT ansonsten immer verwendet, wenn jemand Vollmacht über etwas hat (z.B. über Dämonen oder Krankheiten). Von daher kann auch übersetzt werden, „die Frau soll Vollmacht über ihren Kopf haben” („kephale” kann sowohl (Ober-) Haupt als auch Kopf bedeuten). - Das in deutschen Übersetzungen manchmal auftauchende „Zeichen” findet sich im grie. Text nicht. Vom Textbefund her wird in V. 10 nicht von einem Kopftuch oder Schleier gesprochen. Das ergibt sich nur, wenn man annimmt, dass hier ein Schleier als Zeichen einer Bevollmächtigung gemeint wäre.

In 1. Korinther 11,15 steht für „Schleier” grie. „peribolaion” (Überwurf, Gewand, Mantel, Decke). Vgl. Elberfelder Studienbibel Sprachschlüssel NT Nr. 3868.

Hinweise

Dieser Artikel beruht auf einem älteren Blog-Artikel von mir (zuletzt 2012 bearbeitet), wurde aber für diese Veröffentlichung komplett überarbeitet.

Dem Blog-Artikel „Verschleierte Frauen: Rebekka, Tamar, Susanna - Das Burka-Verbot und das Alte Testament” des katholischen Theologen Till Magnus Steiner verdanke ich den Hinweis auf die deuterokanonische Susanna-Geschichte, die ich neu aufgenommen habe.