Screenshot BMI_oe Tweet zum AGesVGAm 21. September hat das österreichische Bundesinnenministerium einen Tweet zum Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz gesendet, um zu zeigen, was ab 1. Oktober 2017 erlaubt wäre, was verboten wäre und was aufgrund der Ausnahmen aus dem Gesetz erlaubt wäre (Tweet öffnen).

Die obere Reihe zeigt, was nicht unter das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz fällt, da es sich nicht um eine Gesichtsverhüllung handelt.

Die mittlere Reihe zeigt, was erlaubt ist, da es unter die Ausnahmen des Gesetzes fällt.

Die untere Reihe zeigt schließlich, was verboten ist. Ausschließlich in dieser Reihe finden wir typische Kopfbedeckungen muslimischer Frauen. Nur hier finden wir bei den Gesichtern eine nicht „weiße“ Hautfarbe - überaus auffällig.

Wie jedes Bild erzielt auch dieses eine bestimmte Wirkung auf den Betrachter, mit der wir uns im Folgenden näher beschäftigen wollen.

Für uns interessant sind insbesondere das Bild rechts in der oben Reihe und die drei Bilder in der unteren Reihe.

Das Bild rechts in der oberen Reihe zeigt eine weiße, möglicherweise christliche Frau, die zum einen ihren Haaransatz zeigt, deren Tuch zum anderen nicht ihre Schultern bedeckt. Um eine Muslimin wird es sich eher nicht handeln, da diese für gewöhnlich ihren Haaransatz bedecken.

Die drei Frauen in der unteren Reihe sind nun muslimische Frauen.

Links sehen wir eine weiße Frau, die einen Hidschab trägt, möglicherweise einen Khimar oder einen Tscharschaf, und diesen so gebunden hat, dass er das Gesicht mit Ausnahme der Augen bedeckt. Es handelt sich hierbei nicht um einen handelsüblichen Nikab, doch der dürfte freilich mit gemeint sein.

In der Mitte sehen wir eine nichtweiße Frau, die ebenfalls einen Hidschab trägt, doch so, dass vom Gesicht zwar Haaransatz und Stirn sowie das Kinn bedeckt sind, von ihren Gesichtszügen jedoch Mundbereich, Nase und Augenpartie deutlich erkennbar sind.

Rechts sehen wir eine Frau, die einen afghanischen Tschaderi trägt. Bei ihr ist die Hautfarbe nicht zu erkennen, aber es wirkt auf den Betrachter dunkel, nicht weiß.

Das Bild zeigt dem Betrachter also unter „erlaubt“ eine weiße Frau mit Kopftuch, die sehr wahrscheinlich eine Christin ist, jedenfalls keine Muslimin. Ihr Kopftuch ist nicht allzu lang, es lässt die Schultern unbedeckt - und vor allem ist der Haaransatz sichtbar.

Das exakte Gegenstück zu diesem Bild ist unter „verboten“ die nichtweiße Frau, sehr wahrscheinlich eine Muslimin, obschon ihr längeres Kopftuch auch als das einer christlichen Nonne durchgehen könnte. Ihr langer Schleier, vielleicht ein Khimar oder ein Tscharschaf, bedeckt auch ihre Schultern; das Bild zeigt nicht, wie weit der Schleier hinab reicht.

So nichtweiß, wie deren Gesicht ist, so nichtweiß erscheint dann daneben auch das Bild der Frau, die einen afghanischen Tschaderi - hierzulande oft fälschlich als „Burka“ bezeichnet - trägt. Beide Damen verkörpern also schon von ihrer Hautfarbe her in gewisser Weise das „Fremde“.

In diese Reihe der „Fremden“ hineingestellt ist eine weiße Frau, die mit ihrer Hautfarbe auf den Betrachter wirkt, als handele es sich um eine zum Islam konvertierte Österreicherin. Ihr Gesichtsschleier weist sie als „fremd“ aus.

Sie ist zwar von Geburt an eine Weiße, doch teilt sie nicht länger „unsere Werte“. Sie gehört nicht mehr zu „uns“, sondern nun zu „denen“. Ihre weiße Haut erscheint dem Betrachter als Etikettenschwindel, als Betrug, der eine von nicht weißen Werten geprägte Persönlichkeit zu Unrecht schmückt. Sie, die „unsere Werte“ von sich geworfen und sich einem fremden Kult unterworfen hat, fällt nun jedenfalls unter „verboten“.

Das Bild wirkt auf den Betrachter vor allem durch die fremden Frauen bzw. durch die „verfremdete“ Frau. Besonders stark auf den Betrachter wirkt die in der Mitte unter „verboten“ stehende nichtweiße Frau - gerade durch den Gegensatz zu der weißen Christin unter „erlaubt“.

Problematisch ist freilich in ganz besonderer Weise, wie die Hautfarben auf einen Betrachter wirken. Dies entsteht halt vor allem durch die nichtweiße Frau unten in der Mitte.

Das Bild erzeugt beim Betrachter bestimmte Eindrücke, derer sich nicht jeder, der es sieht, sofort bewusst ist. Es bleibt der unbewusste Eindruck, das verboten ist, was uns „fremd“ ist, „fremd“ schon von der Hautfarbe her.