„Ich bin für das Burkaverbot; denn jemand muss doch für diese armen Frauen sprechen und ihnen zu ihrem Recht verhelfen...”

Es ist lobenswert und eine gute Sache, wenn Menschen sich für andere einsetzen, die in Not sind. Ohne diese Menschen würde das Böse noch mehr triumphieren.

Doch das Problem ist, dass wir uns manchmal für diejenigen als selbsternannte Anwälte einsetzen, die gar keine Not leiden - außer der, unfreiwillig Mandant eines hilfsbereiten Menschen zu sein, der es dann gar nicht leiden kann, wenn die Hilfe gar nicht so freudig begrüßt wird. Gerade wir Linken neigen dazu, ziemlich giftig zu reagieren, wenn unsere Hilfe nicht gewollt wird.

Die meisten Frauen, die Niqāb tragen, tun dies freiwillig. Es ist ihre eigene Entscheidung, und sie fühlen sich mit ihrem Niqāb alles andere als unfrei, unterdrückt, rechtlos. 

Sie würden sich freuen, wenn wir nicht für sie sprechen, sondern mit ihnen.

Es ist schon anstrengend, dass so viele Menschen über die Niqābi sprechen und nicht mit ihnen, aber noch anstrengender ist es für viele Niqābi, wenn Menschen ungefragt für sie sprechen. Sie sehen einerseits die Hilfsbereitschaft dieser Menschen, fühlen sich aber zugleich entmündigt. Vor allem, wenn die selbsternannten Helfer jeden Hinweis, dass die Niqābi gar keine Hilfe brauchen, wegwischen, weil sie es ja besser wissen: Die armen Frauen wurden ja manipuliert, gehirngewaschen, gezwungen, ihrer freien Persönlichkeit beraubt, dass sie so etwas sagen. 

Sprechen wir also mit ihnen, nicht für sie. Vermeiden wir es, ungefragt zu Fürsprechern der Niqābi zu werden, die eigentlich ganz gut für sich selbst sprechen können.

Und glauben wir ihnen einfach einmal, wenn sie sagen, dass sie ihren Niqāb nicht als Zeichen von Unterdrückung und Unfreiheit sehen, sondern als Zeichen von Freiheit, von Selbstbestimmung über ihren Körper.

Hilfsangebote für unterdrückte oder unfreie Niqābi sollten von den Niqābi selbst geleitet werden. Sie sind es, die ihre Schwestern am besten kennen und nicht nur gewillt, sondern auch fähig sind, ihnen Hilfe zukommen zu lassen, ohne sie zu entmündigen.

Wer für ein „Burkaverbot” ist, um unterdrückten, unfreien Niqābi zu helfen, wird ihnen gerade damit nicht helfen - und der großen Mehrheit der Niqābi schaden, die ihren Niqāb freiwillig, selbstbestimmt tragen. Für eine unfreie, unterdrückte Niqābi ist nicht ihr Niqāb das Problem, nicht einmal ein Zwang von Seiten des Vaters oder Ehemanns, ihn tragen zu müssen. Es hilft ihr auch nicht,wenn man ihren Vater oder Ehemann bestraft, weil er sie zum Tragen des Niqāb zwingt.

Sie hat ganz andere Probleme als nur, dass sie einen Niqāb tragen muss. Sie ist nicht nur durch den ihr aufgezwungenen Niqāb unfrei und unterdrückt, sondern durch ihre ganze Lebenswirklichkeit. 

Zugleich kann ihr Niqāb ihr inmitten ihrer Unfreiheiten und Zwänge Freiräume eröffnen.

Auf jeden Fall hier gilt: Am besten kann ihr eine freie Niqābi helfen.