Rabenschwarz scheint die vorherrschende Farbe zu sein, in der sich Niqābi in der Öffentlichkeit kleiden. Schwarzer Mantel, schwarzer Hidschāb, schwarzer Niqāb, möglicherweise auch schwarze Handschuhe. Selbst Schuhe und Handtasche sind manchmal schwarz. Fast schon gewagt wirkt da ein dunkelblauer Farbtupfer.

Grundsätzlich ist es aber nicht so, dass Schwarz die einzig verfügbare Farbe für Niqāb & Co. wäre - Online-Shops bieten etwa auch Farben mit so schönen Bezeichnungen wie Türkis, Lavendel, Burgunder, Flieder, Marineblau, Königsblau, Aubergine, Magenta und natürlich auch Farben wie Grün, Braun, Grau, Weiß, Rosa, Violett, Weinrot, Kirschrot...

Ich nehme an, wir Deutschen würden uns mit dem Niqāb etwas leichter tun, wenn die Niqābi häufig etwas farbenfrohere Kleidung tragen würden. 

Natürlich erinnert mich dieser Ratschlag an jenen unsinnigen Rat, Frauen mögen doch bitte keine Miniröcke tragen, damit sie nicht sexuell belästigt oder gar vergewaltigt werden. Man gibt dabei leicht den Opfern eine Mitschuld, wenn sie im Falle freizügiger Kleidung belästigt werden oder im Falle eines schwarzen Niqāb Ablehnung erfahren. Das Problem ist nun einmal weder das Verhalten der Frau noch die Art oder Farbe ihrer Kleidung - das Problem, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen, ist im Falle sexueller Belästigung der Täter - und im Fall der Niqāb-Feindlichkeit ist es ebenso. Wir können den Frauen hier wie da keine Mitschuld geben, das wäre Victim Bashing bzw. Opferschelte.

Ich persönlich habe kein Problem mit dem schwarzen Niqāb. Ich betrachte eine Niqābi in Schwarz nicht anders als eine, die etwas farbenfroher daherkommt.

Ich denke freilich, dass ein farbenfroher Niqāb seine Aufgabe ebenso gut erledigt wie ein schwarzes Exemplar. Und ich weiß, dass viele in unserer Gesellschaft einen schwarzen Niqāb eher als bedrohlich wahrnehmen. Der schwarze Niqāb erinnert beispielsweise an Ninjas oder auch an den selbsternannten „Islamischen Staat”, Der schwarze Niqāb ist in den Print-Medien und im Fernsehen zum Erkennungszeichen für vermeintlich islamischen Terrorismus geworden.

Frauen, die zum Islam konvertieren und sich für den Niqāb entscheiden, erleben ihre Umwelt ihnen gegenüber häufig deutlich aufgeschlossener, wenn sie im farbenfrohen Niqāb daherkommen und nicht in Rabenschwarz. Gerade die Eltern einer solchen Frau sind dann meist viel offener.

Hier noch - insbesondere auch für die Muslimas unter den LeserInnen dieser Home Page - ein Link-Tipp, der zum Blog von „Misk of Jinnah” führt, einem islamischen Online-Shop: Rabenschwarz und farbenfroh sowie Das Tragen eines bunten Hijab.