Wer in Lexika nach der „Burka” sucht, wird fündig, auch wenn es nicht ganz so eindeutig ist - die Suche nach dem „Burkaverbot” ist schwerer. Der Duden kennt es nicht, und die Wikipedia leitet auf eine Seite zu einem „Verschleierungsverbot” um.

Da heißt es dann, das Verschleierungsverbot werde „in der Presse und umgangssprachlich fälschlich Burkaverbot genannt”. Es verbiete „an bestimmten Orten des öffentlichen Raums das Tragen von Ganzkörper- beziehungsweise Gesichtsschleiern wie des Niqab oder der Burka”.

Nun, in Frankreich fordern manche Politiker inzwischen ein vollständiges „Burkaverbot” - nicht nur im öffentlichen Raum, aber das nur nebenbei. Immerhin sind das bisher nur Pläne. Selbst in Frankreich dürften sie wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Es bleibt aber die Frage, ob das „Burkaverbot” wirklich, wie die Wikipedia meint, „fälschlich” so genannt wird. Immerhin bezieht es sich ja nicht auf Schleier oder die Verschleierung im Allgemeinen, nicht einmal auf „Ganzkörperschleier beziehungsweise Gesichtsschleier”, sondern sehr speziell auf „Schleier wie Niqab oder Burka”. Der Brautschleier ist ebenso wenig gemeint wie der Trauerschleier, der Schleier einer Nonne ist ebenso wenig gemeint wie ein Kostüm, das zum Fasching oder aus Gründen der Brauchtumspflege getragen wird.

Wer „Verschleierungsverbot” sagt, der meint damit für gewöhnlich „Burkaverbot” - und wer „Burkaverbot” sagt, der sagt das in der Regel nicht fälschlich, sondern sehr bewusst, auch wenn er nicht nur den „Burka” (gemäß der Lexika den Chadri) meint, sondern auch den Niqāb - und mitunter jede Form des Hidschāb.

Es geht entweder

  • um ein Verbot der Bedeckung des Gesichts mit einem (Gesichts-) Schleier muslimischen Hintergrunds (den Niqāb, den hierzulande „Burka” genannten Chadri, den Baṭṭūlah, den Boushiya oder ein anderes Tuch oder Teil eines Hidschāb, das verwendet wird, um das Gesicht ganz oder teilweise zu bedecken) oder
  • um ein Verbot der Verwendung von Schleiern muslimischen Hintergrunds (Hidschāb).

Es geht eben nicht um ein Verbot

  • des Schleiers einer Nonne
  • des Schleiers einer Braut
  • des Schleiers einer trauernden Witwe
  • darüber hinaus (der Vollständigkeit halber)
    • von Faschings- oder Brauchtumsmasken
    • von Sturmhauben oder Skimasken
    • von Schutzmaßnahmen für das Gesicht bei winterlicher, kalter Witterung (Schals, Skimasken usw.)
    • von dunklen bzw. verspiegelten Sonnenbrillen
    • von Atemschutzmasken
    • von Schutzhelmen mit Gesichtsschutz
    • von Vollbärten.

„Verschleierungsverbot” ist darum ein irreführender Begriff und wird fälschlich für ein Verbot verwendet, das auf Frauen muslimischen Glaubens abzielt, sich mit Hidschāb und/oder Niqāb (so die korrekten Grundbegriffe aus dem Arabischen) zu verschleiern.

Der Begriff „Verschleierungsverbot” verschleiert, worum es wirklich geht:

  • Um umgangssprachlich „Niqab oder Burka”
  • um korrekt den Niqāb
  • für viele im Westen auch um den Hidschāb.

Von daher passt der Begriff „Burkaverbot” besser als das irreführende „Verschleierungsverbot”.

Offen bleibt immer noch: Geht es um das Verbot

  • des Chadri, weil nach den Lexika mit dem Begriff „Burka” eben dieser gemeint ist
  • des Niqāb, weil damit gemeint ist, was umgangssprachlich mit „Niqab und Burka” bezeichnet wird
  • des Hidschāb, weil ja im Westen viele unter „Burka” jede Form des Hidschāb verstehen

Korrekt wären also die Begriffe

  • „Chadri-Verbot”
  • „Niqāb-Verbot”
  • „Hidschāb-Verbot”.

Damit wäre klar, worum es geht.

„Burkaverbot” meint jedenfalls, da man die Definition in den Lexika für „Burka” bei einer ernsthaften Debatte zugrunde legen darf, lediglich ein Verbot des Chadri.

Ein „Verschleierungsverbot” meint ein Verbot jeglicher Verschleierung - nicht nur solche, die sich auf Frauen muslimischen Glaubens bezieht - eine doppelte Diskriminierung nach Geschlecht und Religion.

Ein Vollschleier- oder Ganzkörperschleierverbot?

Weder der Duden noch die Wikipedia kennen einen Vollschleier oder einen Ganzkörperschleier - das Arabische übrigens auch nicht.

Der Chadri, also der „Burka”, ist vorne nur hüftlang und damit eigentlich nur ein Dreiviertelschleier - und schlägt die Trägerin die vordere Hälfte über den Kopf nach hinten zurück, ist es sogar nur noch ein Halbschleier.

Der türkische Çarşaf, der iranische Čádor oder der arabische Abāya bedecken jeweils einen größeren Teil des Körpers als der Chadri (und können jeweils so verwendet werden, dass auch das Gesicht bedeckt wird).

Der Niqāb ist im eigentlichen Sinn ebenfalls kein „Ganzkörperschleier”.

Ein Vollschleier oder Ganzkörperschleier ergibt sich erst durch die Kombination verschiedener Kleidungsstücke und die Art, sie zu tragen - und jener Teil, der das Gesicht bedeckt, macht dann letzten Endes nur einen kleinen Teil des Ganzen aus.

Allerdings wird im Westen unter „Ganzkörperschleier” oder „Vollschleier” mitunter auch jede Form des Hidschāb verstanden.

Ist das Gesicht einer Frau muslimischen Glaubens aus religiösen Beweggründen bedeckt, handelt es sich jedenfalls genau genommen um einen Niqāb - ein Verbot wäre also ein Niqāb-Verbot, kein Vollschleierverbot oder Ganzkörperschleierverbot.

Dann eben ein Vermummungsverbot?

Bliebe noch das Vermummungsverbot - ein Verbot, das bereits Gesetzesrang hat.Darum denken manche, es wäre ein guter Ansatzpunkt für ein Verbot von zumindest „Niqab und Burka”.

Das Vermummungsverbot steht im Versammlungsgesetz und bezeichnet ein Verbot von Maßnahmen, sich durch eine Vermummung der strafrechtlichen Verfolgung nach Straftaten zu entziehen, die auf Versammlungen und Aufzügen begangen worden sind.

Das Vermummungsverbot bezieht sich mithin ausschließlich auf von Versammlungsteilnehmern mitgeführte Gegenstände, die dazu bestimmt sind, das Gesicht zu verdecken und damit die Feststellung der Identität zu verhindern.

Der Niqāb muslimischer Frauen ist dafür geeignet - aber nicht dazu bestimmt.

Und wer sich nun noch fragt, warum man die Burka denn nicht verbieten könne, da man schließlich auch nicht mit einem Motorradhelm oder einer Sturmhaube vermummt in eine Bank gehen könne, der lese bitte diesen Artikel: „Burka und Motorradhelm - gibt es da einen Unterschied?” 

Fazit

Wer „Burkaverbot” sagt, verwendet einen Begriff, dessen erste Hälfte - „Burka” - durch Lexika ziemlich eindeutig bestimmt ist (den Burka als kaukasischen Mantelumhang lassen wir jetzt einmal beiseite): Chadri. Es handelt sich um ein Verbot ausschließlich des Chadri. Eines Kleidungsstückes also, das in Deutschland wohl von höchstens 300 Frauen getragen wird (das sind 0,00065 % aller Frauen oder eine von 160.000 Frauen).

Wer „Burkaverbot” sagt, aber etwas anderes meint, muss von sich aus sagen, was er denn meint, muss es genau beschreiben: Ein Verbot des Niqāb oder, weil im Westen viele unter „Burka” jede Form des Hidschāb verstehen, dessen Verbot.

Wer „Verschleierungsverbot” sagt, der spricht von jeder Art von Schleier - auch dem der Nonne, der Braut, der trauernden Witwe. Er darf dann nicht muslimische Frauen wegen ihres Geschlechts und ihrer Religion diskriminieren (wobei das auch beim Niqāb-Verbot und beim Hidschāb-Verbot der Fall ist, da es ja jeweils nur auf Frauen muslimischen Glaubens abzielt).

Wer „Vollschleierverbot” oder „Ganzkörperschleierverbot” sagt (und dabei nicht nur an das Verbot jeder Form des Hidschāb denkt), meint eigentlich ein Niqāb-Verbot.

Wer schließlich „Verschleierungsverbot” sagt, der kann auf die im Versammlungsgesetz festgelegten Bestimmungen festgenagelt werden.