Wer sich eingehend mit dem Thema „Burka” und „Burkaverbot” befasst, stellt schnell fest, dass es allein im Deutschen eine verwirrende Begriffsvielfalt gibt: Kopftuch, (Gesichts-) Schleier, Burka, Nikab, Hidschab, Tschador, Tscharschaf, Tschaderi, Burkini...

Keiner dieser Begriffe ist im Deutschen so eindeutig definiert, wie man sich das wünschen würde - und noch viel weniger stimmen im Deutschen verbreitete Definitionen mit denen in den Ländern der islamischen Welten überein.


Während wir im Deutschen zum Kopftuch muslimischer Frauen „Hidschab” sagen, meint der arabische Begriff Hidschāb eigentlich die komplette islamkonforme Frauenbekleidung, die den ganzen Körper (mit Ausnahme des Gesichts, der Hände und der Füße) blickdicht so verhüllt, dass auch die Konturen des Körpers nicht mehr zu erkennen sind.

Allerdings ist Hidschāb auch unter Muslimen zum vorherrschenden Begriff für das Kopftuch geworden, selbst wenn es eher locker getragen wird und beispielsweise die Haare nicht vollständig verdeckt. Der eigentliche arabische Begriff für ein (großes) Kopftuch ist allerdings „Tarha” (im Türkischen „Başörtüsü” oder „Esarp”)

Zur Verwirrung trägt bei, dass viele Deutsche „Burka” sagen, wenn sie eigentlich Hidschāb meinen (also nicht nur ein einfaches Kopftuch, sondern ein komplettes islamkonformes Gewand).


Der aus dem Arabischen vermutlich über das Französische vor etwa 20 Jahren als Lehnwort in die deutsche Sprache eingewanderte Begriff „Burka” ist der Begriff mit der wohl größten Bedeutungsvielfalt.

Zugleich beherrscht er die gesamte Debatte. Viele meinen, wenn sie „Burka” sagen, jegliche islamkonforme Frauenkleidung (Hidschāb).

In Deutschland wurde der Begriff bis etwa 2000 vor allem in Kreuzworträtseln erfragt: „Russische Bezeichnung für einen halbkreisförmigen rauen Fellmantel aus dem Kaukasus?” Im Kaukasus wurde der von den Russen „Burka” genannte wärmende Mantel von Männern getragen.

Seit etwa 20 Jahren und vor allem seit dem Krieg gegen die Taliban in Afghanistan wird der Begriff allerdings in Deutschland für den meist blauen Überwurfschleier muslimischer Frauen in Afghanistan und Pakistan mit dem integrierten Gesichtsschleier und dem Gitternetz vor den Augen verwendet. So verweist der Eintrag „Burka” in der Wikipedia auf diesen Schleier. Dabei verweist die Wikipedia allerdings auch darauf, dass „in westlichen Ländern (...) unter ‚Burka‘ mitunter fälschlich jede Form des Hidschāb verstanden” wird. So auch in Deutschland.

Nach den Regeln der deutschen Sprache (auf ein Lehnwort wird jeweils das Geschlecht übertragen, das dem der deutschen Übersetzung entspricht) müsste es übrigens nicht „die”, sondern „der Burka” heißen, da die Übersetzung „der Schleier” lautet (oder möglicherweise noch „das Burka” nach „das Bedeckende, Verhüllende”).

BurqaBei diesem Schleier handelt es sich um die in Afghanistan und Pakistan „Chadri“ genannte (im Deutschen oft „Tschaderi“ oder „Tschadori“ geschrieben - die Bedeutung ist „Zelt”) spezielle Unterart eines Schleiers, der in Pakistan, Afghanistan, Indien, Bangladesch und Zentralasien als „Burqa'“ bezeichnet wird, abgeleitet von „Burqu'“, arabisch für „der Schleier“, „das Bedeckende, Verhüllende”.

In den verschiedenen Teilen der islamischen Welten bezeichnet der Begriff „Burqu'” sehr verschiedene Formen des Schleiers - Gesichtsschleier unterschiedlicher Art, Überwurfschleier und anderes. Der hier meist damit bezeichnete Chadri ist eben nur eine sehr spezielle Unterart, die im Grunde genommen auf Pakistan und vor allem Afghanistan beschränkt ist.

In Pakistan wird also das, was wir hier in Deutschland „Burka“ nennen, als „Chadri“ (manchmal auch - allerdings in einem anderen Kontext - als „Parda”) bezeichnet - und „Burqa'“ meint dort einen Überwurfschleier ohne integrierten Gesichtsschleier.

Wie dem auch sei - angesichts der Tatsache, dass die Wikipedia beim Stichwort „Burka” auf den Chadri verweist, sollte man bei einer Erwähnung dieses Stichworts auch den Chadri besprechen und behandeln. Demnach ist ein „Burka-Verbot” ein reines Chadri-Verbot.


NiqabWer im Deutschen „Burka“ sagt und Gesichtsschleier meint, sollte eigentlich Niqab (oft „Nikab“ geschrieben) sagen, vom arabischen „Niqāb” für „(Gesichts-) Schleier” oder „(Gesichts-) Maske”.

Gesichtsschleier haben in den Ländern der islamischen Welten viele Bezeichnungen:

  • Niqāb (der vermeintlich immer schwarze - tatsächlich aber in allen möglichen Farben vorkommende - Gesichtsschleier mit dem Sehschlitz)
  • Baṭṭūlah (der vermeintlich aus Metall - tatsächlich aber aus gefärbter Baumwolle - bestehende Schleier, der oft nicht das ganze Gesicht bedeckt)
  • Burqu' (oft auch Bourka, Burkha, Bourkha o.ä. geschrieben, ähnlich dem Niqāb, aber nicht dem Burqa')
  • Boushiya (im Grunde ein Niqāb aus meist zwei Lagen dünnerem Stoff ohne Sehschlitz)
  • Peçe (türkische Bezeichnung für den Niqāb)
  • Yaşmak (früher in der Türkei weit verbreiteter Kopf- und Gesichtsschleier, oft aus Musselin)
  • Chadri (in einen Burqa' integrierter Gesichtsschleier mit Stoffgitter vor den Augen)
  • Paranja (Kombination aus Burqa' und einem Gesichtsschleier ohne Öffnung für die Augen)

Soweit sie das Gesicht bedecken, kann man alle diese Schleier als Niqāb, also als Gesichtsschleier, bezeichnen.


Daneben gibt es noch Begriffe wie den iranischen Tschador (Čádor), den türkischen Tscharschaf (Çarşaf), den  Khimar, den Dschilbab (Ǧilbāb), die Abaya, natürlich den Burkini, auch Malibas („Wasserkleid”) genannt. 

Čádor, Çarşaf und Ǧilbāb können auch so getragen werden, dass sie das Gesicht bedecken, meist so, dass nur noch die Augen zu sehen sind. Und natürlich kann man jedes Tuch, das eine gewisse Größe hat, so tragen, dass es das Gesicht teilweise oder ganz bedeckt - und damit wird aus dem einfachen Tuch dann ein Niqāb. Damit ist im Prinzip jedes Tuch ein potentieller Niqāb (sollte man bedenken, ehe man das Mitführen eines Niqāb unter Strafe stellen möchte).


Es gilt, dass viele Begriffe jeweils regionale Bedeutung haben. In Nordafrika hat beispielsweise „Burqa'” eine andere Bedeutung als in Zentralasien - und in Europa und Nordamerika hat „Burka” wieder eine andere Bedeutung.

Es gibt eigentlich nur drei wichtige „Grundbegriffe”:

  • Hidschab (Hidschāb) - die blickdichte, Konturen verhüllende Bedeckung des Körpers mit Ausnahme von Gesicht und Händen
  • Nikab (Niqāb) - der Gesichtsschleier

Es gibt muslimische Frauen, die Hidschāb tragen - und es gibt welche, die zusätzlich Niqāb tragen. Ob dieser nun in den Hidschāb integriert ist wie beim Chadri, ist dabei ohne Belang. Ohne Belang ist grundsätzlich auch, ob es beim Niqāb eine gesonderte Verarbeitung für die Augenpartie gibt und falls ja, wie diese aussieht (z.B. Stoffgitter, Schlitz).

Eine Frage ist noch wichtig: Ab wann ist das Gesicht so weit bedeckt, dass es sich dabei um einen Niqāb, einen Gesichtsschleier, handelt? Muslimische Frauen tragen Hidschāb und ggf. Niqāb jeweils so, dass dabei mal mehr, mal weniger viele Bereiche des Gesichts (das ist der gesamte nicht vom Haupthaar bewachsene Bereich des Vorderkopfes einschließlich Stirn, Ohren, Wangen und Kinn) bedeckt ist. In der Türkei wird etwa der Çarşaf oft so getragen, dass nur Augen und Nase zu sehen, der Mund aber bedeckt ist.


Der Begriff „Burka” ist im Grunde genommen ein Oberbegriff, der kein spezielles Kleidungsstück beschreibt und darum nicht als „Grundbegriff” für die nach ihm benannte Debatte taugt.

Burqu' ist einfach nur ein arabisches Wort برقع für den Schleier, das Bedeckende, das Verhüllende. Es meint nicht einmal insbesondere den Schleier muslimischer Frauen, sei es Hidschāb, Niqāb oder was sonst.