Burka” - das ist nicht nur ein Kleidungsstück muslimischer Frauen, sondern hat auf einer ganz anderen Ebene, in einem ganz anderen Umfeld auch viel mit Erotik, Sexualität, Fetischismus, Sadomasochismus, Dominanz, Submission zu tun.

Sobald ich Fotos verschleierter Frauen irgendwo veröffentliche, kann ich mir sicher sein, dass binnen Stunden unzählige Fetischisten die Bilder favorisieren, ihren Galerien hinzufügen, herunterladen (weswegen ich keine Fotos mehr veröffentliche).

Folgt man diesen Leuten im Internet, findet man in ihren Alben häufig neben verschleierten Fotos auch solche, die gefesselte, geknebelte Frauen zeigen. Manche haben sich auf den „Burka” als Fetisch spezialisiert, geben sich im Internet als muslimische Frauen aus und versuchen mit Muslimen in Kontakt zu kommen.

Interessant ist dabei, dass viele dieser Personen Phasen haben, in denen sie ihrem Fetisch nachgehen - und dann Phasen, in denen sie sich zurückziehen, teilweise alle ihre Fotos löschen, sämtliche Spuren ihrer Neigung verschwinden lassen. Es scheint so, als seien sie immer wieder im Kampf mit ihrem Fetisch. Und interessant ist auch: Keiner der mir bekannten „Burka”-Fetischisten setzt sich, soweit ich das erkennen kann, ernsthaft gegen ein „Burkaverbot” ein.

Ein drohendes Verbot macht den „Burka” häufig erst interessant. Ich nehme an, dass nicht wenige dieser „Burka”-Fetischisten, gerade wenn sie auch sadomasochistisch veranlagt sind, ihre helle Freude an negativen, herabsetzenden, erniedrigenden, diffamierenden Äußerungen über den „Burka” haben.

Es gibt meines Wissens keine Zahlen - nur die Schätzung, dass es in Deutschland Zehntausende nichtmuslimische Männer und Frauen gibt, für die ein „Burka” in irgend einer Form ein sexueller Fetisch ist: Crossdresser, Transsexuelle, Transvestiten, Sadomasochisten. Manche von ihnen „polieren” ihren „Burka”-Fetisch mit Gummi, Lack und Leder auf, fügen Fesseln und Knebel hinzu. Manche wollen es lieber so „authentisch” wie nur irgend möglich. Masochistische Männer träumen häufig davon, von muslimischen Männern als „Burka-Zofe” gehalten zu werden, am liebsten in einem „Harem”.

Dass der „Burka” in seinen verschiedenen Formen in Film und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften, Büchern usw. immer wieder gezeigt wird und als verkaufsfördernd wirkt, weist wohl auch auf ein großes eher sexuell geprägtes Interesse hin. „Hübsche, ausdrucksstark geschminkte Augen hinter einer Burka steigern die Auflage”, erklärte mir ein Journalist. Andere setzen eher auf den Burqa' mit dem Netz, hinter dem die Augen nur zu erahnen sind. Eine evangelikale Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt, verwendete lange Zeit Bilder mit Frauen, die „Burka” tragen, weil diese viel Aufmerksamkeit für die Publikationen erzielen. Nicht nur viel nackte Haut und sexy Posen fördern das Interesse an Produkten - auch der „Burka” weckt das Interesse.

Für viele Männer ist der „Burka” ultimativer Ausdruck der Weiblichkeit - nicht selten einer sich unterordnenden oder sogar unterworfenen Weiblichkeit. Die einen benutzen den „Burka” als Fetisch, um Frauen zu dominieren, zu kontrollieren, zu beherrschen - die anderen fühlen sich erst im „Burka” wohl, weil sie sich darin submissiv, dominiert fühlen.

Fragt man in SM-Studios nach, so wissen einige von meist masochistischen Männern zu berichten, die eine Vorliebe haben, sich in einen „Burka” kleiden und dominieren zu lassen. Foren mit SM-Geschichten bieten meist auch Geschichten an, in denen der „Burka” vorkommt, in denen jemand in arabische Länder verschleppt wird und in einem „Harem” landet. Der gleichnamige Film von 1985 mit Nastassja Kinski und Ben Kingsley ist wohl nicht umsonst bei Sadomasochisten recht beliebt.

Seit langem also wird der „Burka” von Nichtmuslimen mit Unterdrückung, Erniedrigung, Demütigung in Verbindung gebracht. Es ist nicht schwer, von hier eine Verbindung zu den Klischees zu sehen, die wir über Muslime, über muslimische Frauen haben, gerade auch über verschleierte muslimische Frauen haben.

Jedenfalls haben wir also Männer, für die der „Burka” ein Fetisch ist, nicht selten der Fetisch. Viele sammeln Bilder, suchen entsprechende Geschichten, kaufen sich solche Kleidungsstücke, tragen sie selbst oder ziehen sie ihren Partner*innen an.

Doch nicht jeder dieser Männer kommt mit so einem Persönlichkeitsmerkmal zurecht - vor allem dann nicht, wenn es mit homoerotischen oder homosexuellen Bildern vereint ist, mit dem Verlangen nach Unterwerfung - womöglich noch der Unterwerfung unter einen Mann. Manchmal wechseln sich Phasen, in denen sie ihren Fetisch ausleben, mit Phasen ab, in denen sie davon frei werden wollen.

Manche tun alles, um ihren als verboten empfundenen Neigungen nicht nachzugeben.

Wer mit seinen homosexuellen Persönlichkeitsmerkmalen nicht zurecht kommt, der läuft Gefahr, „homophob” zu werden. Die auf Schwule bezogene Menschenfeindlichkeit ist im Grunde genommen die Abwehr verdrängter eigener vermeintlich oder tatsächlich homosexueller Persönlichkeitsmerkmale. Verbotsforderungen und „Heilungsangebote” zielen in Wirklichkeit auf diese Merkmale.

Kommt ein „Burka”-Fetischist mit den damit verbundenen eigenen Persönlichkeitsmerkmalen nicht zurecht, so wird er womöglich „burkaphob”, wie der offen homosexuell lebende CDU-Politiker Jens Spahn seine Ablehnung der Verschleierung muslimischer Frauen selbst in einem Interview mit der „Welt” bezeichnet. Die auf Niqābi bezogene Menschenfeindlichkeit ist dann eine Abwehr verdrängter eigener Persönlichkeitsmerkmale. Indem man muslimische Frauen vom „Burka” zu befreien versucht, sucht man im Grunde genommen für sich selbst nach Befreiung von der als Makel empfundenen sexuellen Lust am „Burka”. Das geforderte „Burkaverbot” richtet sich eigentlich gegen sich selbst, man verbietet sich diesen Fetisch.

Natürlich ist nicht jeder, der den „Burka” ablehnt, in dieser Weise „burkaphob”, also im Kampf gegen verdrängte eigene Persönlichkeitsmerkmale sexueller Natur.

Es kann sich auch um verdrängte eigene Persönlichkeitsmerkmale spiritueller Natur handeln. Viele Menschen geben sich zwar sehr „aufgeklärt” - aber blicken neidisch auf Menschen mit einem starken, unerschütterlichen Glauben. Religiosität, Spiritualität gehören nun einmal zum Menschen, sind Bestandteil unserer Evolution. Wir sind von der Evolution dazu bestimmt, religiöse Gemeinschaftswesen zu sein. Wir streben nach Spiritualität, nach Glauben. Wir wollen mit anderen in religiöse Ekstase geraten. Doch viele von uns verdrängen ihre religiösen Persönlichkeitsmerkmale. Islamophobie im Allgemeinen und „Burkaphobie” im Besonderen können Folgen davon sein. Der „Burka” muslimischer Frauen zeigt jenen starken, unerschütterlichen Glauben, nach dem wir uns sehnen und den wir doch verdrängen, bekämpfen.

Weitere Gründe, die aber nichts mit verdrängten Persönlichkeitsmerkmalen zu tun haben, sind beispielsweise eine neurechte bzw. völkische Gesinnung, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus oder auch einfach Unsicherheit, die auf einem Mangel an sachlichen, ausgewogenen Informationen beruhen.