Niqab vs. traditionelle Kleidung (Quelle: https://twitter.com/sibylleforrer/status/772534831775412224)In sozialen Medien verbreitet sich eine Bildercollage, die auf der linken Seite Frauen im Niqāb aus bestimmten Ländern zeigt („this is not our traditional dress”), auf der rechten Seite Frauen in traditionellen Bekleidungen aus denselben Ländern („this is”).

Die Collage will den Eindruck vermitteln, der Niqāb habe die traditionelle Kleidung verdrängt - eine Gefahr, die angeblich auch Europa bzw. Deutschland drohe. Bald also anstelle von Dirndl, Schwarzwald-Tracht und anderen Trachten, die unseren Alltag prägen, nur noch Frauen im schwarzen Niqāb?

Auf der rechten Seite ausschließlich wunderschöne, schlanke Frauen in nicht nur traditioneller, sondern besonderer Kleidung, die nicht im Alltag getragen wird, sondern zu besonderen Anlässen. Was so schön bunt ist, hat freilich kaum eine frauenfreundliche Kultur als Fundament, kaum selbstbestimmtes Verhalten, kaum Gleichberechtigung. Da sind zwangsverheiratete Frauen, da sind Frauen aus Kasten-Gesellschaften, da sind beschnittene Frauen, da sind unterdrückte Frauen.

Die Bilder rechts wenden sich freilich vor allem an Männer: Schöne, junge, schlanke Frauen. Allein diese Bildauswahl spricht alte weiße Männer an, die sich an exotischen Schönheiten erfreuen wollen. Die Frauen über 40 oder mit mehr als 65 kg, die sich gerne sexy kleiden, am liebsten zur „Burka” verpflichten wollen.

In ihrer sogenannten „Berliner Erklärung” fordern CDU und CSU ein Burkaverbot im Straßenverkehr - denn dort "könne der Rechtsstaat die Vollverschleierung nicht akzeptieren", wie es laut dem ZDF aus der Union heißt.

Kein Verbot des Burka am Steuer also - sondern eines im Straßenverkehr.

Was aber ist dieser Straßenverkehr? Wer hier nur an Kraftfahrzeuge denkt, liegt falsch.

Zeit, einmal genauer darauf zu schauen (vgl. den Wikipedia-Artikel „Straßenverkehr”).

Kurz vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin und zum Landtag von Mecklenburg-Vorpommern versucht die CDU verzweifelt, am rechten Rand der Wählerschaft der AfD möglichst viele Stimmen abzugewinnen. Der neueste Versuch: Ein Verbot des „Burka am Steuer”.

Sinnvolle Maßnahme oder Symbolpolitik?

Aktuell fordern einige Prominente aus CDU und CSU wieder einmal ein „Burkaverbot” - es ist Wahlkampf, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stehen Wahlen an, mit der Forderung nach einem „Burkaverbot” möchte die in Umfragen schwächelnde CDU offensichtlich mit einem populistischen Argument Wähler am rechten Rand abfischen, damit diese nicht AfD wählen. Es steht zu befürchten, dass die Bestätigung des von der AfD immer wieder geforderten Verbotes durch die CDU eher die AfD stärken wird, da diese im Hinblick auf das Verbot als „Original” wahrgenommen wird (wobei sie es in Wirklichkeit von der CSU kopiert hat).

Soweit die Vorrede - aber was ist nun eigentlich diese „Burka”, deren Verbot gefordert wird? Ist es der vor allem in Afghanistan verbreitete Chadri, jener meist blaue Mantel, vorne hüftlang und mit einem integrierten Gesichtsschleier, der die Augen mit einem mehr oder weniger feinmaschigen Stoffgitter bedeckt? Ist es, der wörtlichen Übersetzung von arab. Burqu' folgend, der Schleier? Ist es der Hidschāb? Ist es der Niqāb, jener vermeintlich immer schwarze Gesichtsschleier mit dem schmalen Ausschnitt für die Augen? Ist es jede Form der „Vollverschleierung”, also sowohl Chadri als auch Niqāb oder womit sonst muslimische Frauen ihr Gesicht verschleiern mögen?

Die CSU will mit einem Gesetzesvorstoß ein sogenanntes Burkaverbot an deutschen Gerichten erreichen. Was ist davon zu halten?