Das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (AGesVG) verbiete die Verschleierung des Gesichts mit „Burka“, „Vollverschleierung“ oder, wie es richtig heißt, Nikab, nicht aber das Tagen eines Kopftuchs - so hört man oft. Ist das aber richtig?

Nun: ja und nein. Manche Arten von Kopftüchern (Hidschabs) sind nämlich durch das AGesVG ebenso verboten wie der Nikab.

Das Gesetz verbietet es, das Gesicht bzw., so heißt im wörtlich im Gesetzestext, die Gesichtszüge so zu verhüllen oder zu verbergen, dass sie nicht mehr erkennbar sind.

Was aber ist das Gesicht?

Das Gesicht wird bzw. die Gesichtszüge werden anatomisch gebildet vom Vorderkopf, soweit dieser nicht vom Haupthaar bedeckt ist; sie setzen sich zusammen aus dem Bereich vom Haaransatz bis zum Kinn sowie von einem Ohr bis zum anderen, beinhalten also:

  • Stirn
  • Augenbereich einschließlich Brauen
  • Nasenbereich
  • Wangen
  • Ohren
  • Mundbereich
  • Kinnbereich (Unterkieferlinie)

Streng genommen darf ein Kopftuch also den Kopf nur so weit bedecken, wie auf ihm Haupthaar wächst, es darf also nur das Haare selbst bedecken, nicht aber über den Haaransatz hinausreichen und etwa die Stirn, die Wangen, die Ohren oder das Kinn bedecken, ebenso wenig (wie etwa häufig bei einem Çarşaf oder einem Čádor, manchmal auch bei einem Khimar) den Mund oder gar die Nase.

Viele Hidschabs werden von gläubigen Muslimas so getragen, dass die Ohren bedeckt sind, häufig auch die Stirn und das Kinn - nach dem AGesVG ist dies jedoch verboten.

Das Verbot bezieht sich auf „Kleidung oder andere Gegenstände“, die zur Verhüllung oder Verbergung verwendet werden; es stellt also kein Problem dar, wenn das Haupthaar oder das Barthaar die Gesichtszüge verbergen. Schwieriger wird es freilich, wenn es sich um Perücken, Toupets, falsche Ponys, falsche Bärte usw. handelt, also im Sinne des Gesetzes um Gegenstände. Wer also eine Perücke trägt, sollte darauf achten, dass Ohren und Stirn nicht bedeckt sind - anderenfalls macht man sich nach dem AGesVG strafbar, wenn es sich nicht etwa um eine künstlerische, traditionelle oder kulturelle Veranstaltung handelt oder der Beruf eine entsprechende Frisur verlangt.

Wer sein Haupthaar etwa durch eine Chemo-Therapie verloren hat, kann freilich gesundheitliche Gründe geltend machen, wenn man anstelle des verlorenen Haares eine Perücke trägt, die auch die Stirn und die Ohren bedeckt, weil es sich ja um einen Ersatz für das Haupthaar handelt, der sich möglichst nicht vom echten Haupthaar unterscheiden soll. Sicherlich wird man hierfür jedoch ein ärztliches Attest benötigen, dass es der Patientin ausdrücklich erlaubt, eine Perücke zu tragen, die die Gesichtszüge teilweise bedeckt.

Wir sehen: Das AGesVG macht keinen Unterschied zwischen einem Nikab, einem Hidschab, der auch Stirn und Kinn bedeckt, oder einer Perücke, die Stirn und Ohren bedeckt.

Erlaubt ist ausschließlich eine Kopfbedeckung, die das Gesicht komplett unbedeckt lässt.