Nach Frankreich, Belgien, Österreich und den Niederlanden bekommt wohl Dänemark als nächster Staat ein Burkaverbot; eine Mehrheit im Parlament für ein Verbot von Nikabs gilt als sicher. Nicht nur die Mitte-Rechts-Regierung einschließlich der Liberalen Allianz ist für ein Verbot, sondern auch die oppositionellen Sozialdemokraten.

Die dänische Verfassung, das Grundgesetz, kennt zwar in § 67 die Religionsfreiheit: „Die Bürger haben das Recht, sich in Gemeinschaften zusammenzuschließen, um Gott auf die Weise zu dienen, die ihrer Überzeugung entspricht“, schränkt dies jedoch in recht allgemein gehaltener Form ein: „es darf jedoch nichts gelehrt oder unternommen werden, was gegen die Sittlichkeit oder gegen die öffentliche Ordnung verstößt“.

Vermutlich werden die Befürworter eines Verbotes erklären, das Tragen des Nikab verstoße gegen die „Sittlichkeit“ bzw. gegen die „öffentliche Ordnung“ und rechtfertige somit die Einschränkung der Religionsfreiheit.

Beide Vorbehalte verstoßen im Grunde gegen das, was Juristen ein Bestimmtheitsgebot nennen - Bürger müssen erkennen können, was mit einer Vorschrift gemeint ist.

Im Prinzip kann nur die „herrschende Meinung“ Auskunft geben, was unter „Sittlichkeit“ bzw. „öffentlicher Ordnung“ zu verstehen ist. Unter „herrschender Meinung“ versteht man nun nicht eine im Volk oder unter Politikern oder im Parlament vorherrschende Meinung über etwas, sondern über die vorherrschende Auffassung unter Juristen, die mit eben diesem Problem befasst sind - hier sind also insbesondere Verfassungsrechtler gefragt und solche Juristen, die sich mit Religionsverfassungsrecht (Staatskirchenrecht) befassen.

Ein anderer Artikel aus dem Grundgesetz, den Verbotsbefürworter möglicherweise heranziehen werden, ist § 70: „Niemand kann seines Glaubensbekenntnisses oder seiner Abstammung wegen vom vollen Genuss der bürgerlichen oder politischen Rechte ausgeschlossen werden oder sich der Erfüllung einer allgemeinen Bürgerpflicht entziehen“, dass also das Tragen des Nikab als Nichterfüllung einer allgemeinen Bürgerpflicht gewertet wird.

Wie üblich, geht es den Befürwortern vor allem um ein Verbot der Verschleierung muslimischer Frauen - das Verbot soll jedoch als eher allgemein gehaltenes „Vermummungsverbot“ verschleiert werden.

In Dänemark gibt es schätzungsweise 250 - 500 Frauen, die das Tragen des Nikab befürworten bzw. einen Nikab tragen. Bis zur Hälfte von ihnen sollen zum Islam konvertierte Däninnen sein.