Medienberichten zufolge hat Marokko offenbar - ohne gesetzliche Grundlage - ein Verbot des Imports, der Herstellung und des Verkaufs von Burkas erlassen. Das war am Montag, und bis heute sollen die Händler Zeit gehabt haben, ihre Bestände zu vernichten. Eine offizielle Bestätigung der Regierung liegt bislang nicht vor - lediglich ein hochrangiger Beamter aus dem Innenministerium hat hat das Verbot in einem Interview öffentlich bestätigt.

Vermutet wird, dass Marokko damit ein Verbot des Tragens vorbereitet.

Die Behörden begründen das Verbot damit, dass Kriminelle den Burka verwendet hätten, um Verbrechen (z.B. Raubüberfälle) zu begehen.

Unklar ist allerdings, was mit „Burka” (arab. „Burqu'” bedeutet wörtlich übersetzt „Schleier, Bedeckung, Verhüllung”) genau gemeint ist.

Während die einen Medien davon ausgehen, es handele sich lediglich um die aus Afghanistan stammende, dort „Chadri” genannte Variante - jener meist blaue Umhang, in den ein Gesichtsschleier mit einem Stoffnetz für die Augen integriert ist -, nehmen die anderen an, gemeint seien alle Schleier, bei denen das Gesicht verhüllt sei, also auch der in Marokko weit häufiger getragene arabische Niqāb.

Ich nehme derzeit an, dass lediglich der fälschlich „Burka” genannte afghanische Chadri gemeint ist, nicht aber der Niqāb.

Die Marokkaner führen eine erhitzte Debatte über den Erlass. Viele Befürworter begründen ihre Haltung damit, dass Burka (und Niqāb) nicht zur marokkanischen Kultur und Religion passten. Frauen sollten traditionelle Kleidung tragen (nicht wenige lehnen zugleich jegliche westliche Kleidung ab). Das Sicherheitsargument aus dem Erlass wird zwar auch aufgegriffen, aber weniger auf Raub o.ä., sondern vielmehr auf Terrorismus bezogen. Das Verbot wird als wichtiger Schritt im Kampf gegen „religiösen Extremismus” begrüßt.

Gegner des Verbots verweisen auf die fehlende gesetzliche Grundlage für den Erlass, der damit unzulässig sei, der darüber hinaus auch gegen die Menschenrechte verstoße.