Wie uns die gestrigen terroristischen Akte, von denen Paris heimgesucht worden ist und bei denen nicht einer der Terroristen einen Niqāb getragen hat, ganz deutlich gezeigt haben, bringt ein „Burkaverbot” nicht mehr Sicherheit, auch wenn dies ein zentrales Argument der UMP-Regierung von Nicolas Sarkozy in Frankreich war, das für den gesamten öffentlichen Raum geltende Verbot von Niqāb und Burqa durchzusetzen.

Das hatte zuvor auch schon der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erkannt, der dieses Argument zurückgewiesen hat.

Doch immer noch werden Befürworter eines Verbots nicht müde, das Sicherheitsargument vorzubringen.

  • Man ja weiß ja nie, wer unter der „Burka” steckt, eine Frau, ein Mann, ein Terrorist!
  • Wie leicht kann man sich doch mit Hilfe einer „Burka” der Identifizierung entziehen?
  • Wie leicht kann man unter einer „Burka” einen Bombengürtel oder eine Waffe verstecken?

Einerseits braucht kein Terrorist eine „Burka”, wenn er einen Anschlag verüben will.

Andererseits: Auch unter ganz normaler Frauenkleidung, perfekt geschminkt und mit rasierten Beinen, kann ein Mann in Frauenkleidung stecken, mit Perücke und Sonnenbrille. Oder auch ein Terrorist mit einer Waffe in der Handtasche oder einer Bombe im Kinderwagen.

Mit einer Perücke, farbigen Kontaktlinsen, einem falschen Bart kann man sich - ganz ohne aufzufallen - einer Identifizierung entziehen.

„Burka” fällt nun einmal auf. Da wird eine Person eher von der Polizei kontrolliert, als wenn ein Mann in Frauenkleidung herumläuft.

Und als 2010, in dem Jahr, als Frankreich den Niqāb verboten hat, Terroristinnen mit dem Überlandbus nach Moskau fuhren, um dort in der U-Bahn ihre Sprengstoffgürtel zur Explosion zu bringen, da trugen sie normale Kleidung, und den Mitreisenden fiel zwar auf, dass die Frauen um die Körpermitte etwas dicker waren - aber dennoch konnten sie unbehelligt ihr Anschlagsziel erreichen.

Ein „Burkaverbot” bringt keine Sicherheit. Allenfalls wiegt es die Bürger in falscher Sicherheit, wenn eine Regierung ein solches Verbot erlässt.

Zugleich führt es dazu, dass die betreffenden Frauen sich womöglich radikalisieren, dass sich die Muslime stigmatisiert fühlen.

Das Sicherheitsargument taugt wirklich nicht - aber es verkauft sich gut. Darum verzichten nach wie vor Befürworter eines Verbotes nicht auf dieses Argument.

Zum Schluss sei mir noch die Bemerkung erlaubt: Die „Burka” tragende Frau, der Sie begegnen, ist mit sehr großer, überwältigend großer Wahrscheinlichkeit keine Terroristin. Sie sympathisiert sehr wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise mit den Terroristen vom IS, von al-Qaida und wie diese Terrororganisationen alle heißen, die mit dem Islam so viel zu tun haben wie der Ku-Klux-Klan mit dem Christentum. Niemand muss Angst haben, sich in der Nähe einer Frau mit Niqāb aufzuhalten. Unter ihrem Gewand sind keine Waffen, keine Bomben - und in ihrem Kopf keine Terrorpläne. Sie hat genau so viel Angst vor Terroristen wie Sie. Sie hasst die Terroristen dafür, dass sie den Islam in ein schlechtes Licht rücken, dass sie den Islam mit Blut besudeln, dass sie unschuldigen Menschen das Leben nehmen.

Sie schätzt das Wort aus Koran und lebt danach: Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Isrāʾīls vorgeschrieben: Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne (dass es) einen Mord (begangen) oder auf der Erde Unheil gestiftet (hat), so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält. Unsere Gesandten sind bereits mit klaren Beweisen zu ihnen gekommen. Danach aber sind viele von ihnen wahrlich maßlos auf der Erde geblieben" (Sure 5:32)